Archiv für die Kategorie „Schitouren“

Schitour Finsterkopf – Gamskarkogel

Freitag, 9. April 2010

Nachdem ich gestern einen herrlichen Frühjahrs-Firn-Schitouren-Sonnentag bei der Schitour auf Schafdach und Kammkarlspitz erleben durfte, wollte ich auch den heutigen Tag noch einmal ausnutzen, wurde doch für das kommende Wochenende schon wieder Schlechtwetter angekündigt.

Was nach der gestrigen Traumtour kaum zu glauben war – heute war das Wetter noch einmal eine Spur schöner. Kein Wind und angenehmste “Kurzes-Leibchen-Temperaturen” selbst auf einer Höhe von 2.467 Meter am Gamskarkogel zwischen Großarltal und Gasteiner Tal.

Da es bei der südostseitigen Hangausrichtung erwartungsgemäß ziemlich rasch am Vormittag auffirnen würde, war ein früher – ja ein sehr früher – Start angesagt. Tagwache zu nachtschlafener Zeit knapp nach 03:00 Uhr. Nach knapp gehaltenem Frühstück Anfahrt über die Ennstal Straße B 320 und die Tauernautobahn A 10 sowie über die Pinzgauer Straße B 311 an Bischofshofen vorbei nach St. Johann im Pongau und von hier bergan ins Großarltal.

An den vielen Ortseinfahrten dieses langgezogenen Gebirgsortes vorbei bis knapp vor dem Tunnel in Hüttschlag. Hier führt eine gut beschilderte Bergstraße nach rechts bis zum Parkplatz Hinterfeld bei einem Forststraßenschranken.

Die Gegend machte beim Start mit der Stirnlampe und recht kalt angefühlten -0°C auf der ausgeaperten Forststraße kurz westwärts, bald südwestwärts einen sehr schneekargen Eindruck. Erst am Nachmittag bei der Rückkehr fiel mir auf, dass der einsame Schneeriedel am Straßenrand noch bis wenige Meter vor dem Parkplatz ganz passabel befahrbar war.

Wer allerdings Angst vor Krampus-Ruten hat, sollte diesen Abschnitt bergab lieber gehen. Denn Sträucher und Zweige bekommt man einige um Körper und Gesicht gepeitscht, wenn man nicht vorausschauend genug fährt (denn durch die Schattenlage ging es selbst am Nachmittag noch recht hurtig zur Sache).

Nun aber wieder zurück zum Aufstieg. Lange war die Stirnlampe nicht erforderlich. Die rötliche Morgensonne streichelte bald sanft die schneebedeckten Gipfelkämme. Mein erstes Tourenziel – den Frauenkogel – konnte ich mir allerdings gleich aus dem Kopf schlagen. Denn der halbe Berghang sah schon ziemlich aper aus.

Meine Befürchtung, dass es heute “nur” eine “1-Gipfel-Tour” werden würde, hat sich dann aber oberhalb der Tofernscharte schnell zerstreut.

Doch zunächst hieß es erstmal die Harbachalm anzusteuern. Ab hier wandelt sich die zuvor breite Forststraße in einen schmalen Almweg, der in einigen Serpentinen über einen steilen Waldhang hinaufzieht. Etwa 200 Höhenmeter weiter oben trifft man auf die Almhütte der Tofernalm, und bald danach lasse ich den Schatten hinter mir und trete ein in das spontan wärmende und gleißend blendende Sonnenlicht.

Vom Schatten ins Licht nach der Tofernalm

Vom Schatten ins Licht nach der Tofernalm

Weite sanfte bis steile Firnhänge lockten im Talschluß viele Schitourengeher, wie die überall ins Auge fallenden Wedelspuren bewiesen.  Ich folgte der harten bzw. leicht vereisten Spur Richtung Tofernscharte auf 2.091 Meter Seehöhe.

Und hier die unerwartete, erfreuliche Überraschung. Nur wenige Minuten Aufstieg und ich stand am Gipfel des Finsterkopf. Gleich fuhr ich aber wieder (mit Fellen) in die Scharte zurück um auf der nächsten Hangseite die letzten fast 400 Höhenmeter auf den Gamskarkogel in Angriff zu nehmen. Das herrlich kupierte Gelände mit tragfähigem Harschdeckel versprach großes Abfahrtsvergnügen (das Versprechen wurde auch gehalten). Zur Vereinfachung des Aufstieges habe ich Harscheisen angelegt, unbedingt erforderlich wären sie aber nicht gewesen.

Blick vom Finsterkopf auf die letzten 400 Höhenmeter auf den Gamskarkogel. Rechts der Frauenkogel.

Blick vom Finsterkopf auf die letzten 400 Höhenmeter auf den Gamskarkogel. Rechts der Frauenkogel.

Knapp unterhalb des Gipfels treffe ich auf frische Schispuren, die direkter von der Tofernalm heraufkamen. 2 Schitourengeherinnen stehen bereits oben bei der direkt am Gipfel gelegenen Badgasteiner Hütte.

Bald aber machten Sie sich bereit für die Abfahrt (ich hoffe, nicht wegen mir) und so war ich die restliche Zeit gänzlich alleine am Gipfel des Gamskarkogel.

So verlockend ein Schläfchen jetzt gewesen wäre, so wollte ich aber doch nicht den richtigen Firnzeitpunkt verpassen und startete kurz nach 1/2 11 Uhr wieder entlang meines Aufstiegsweges über die Südostseite, während die beiden Schi-Damen direkt über die Ostseite abgefahren sind.

Unglaubliche stille Einsamkeit bei der Badgasteiner Hütte am Gipfel des Gamskarkogel

Unglaubliche stille Einsamkeit bei der Badgasteiner Hütte am Gipfel des Gamskarkogel

Im 10-Minuten bis Viertelstundentakt (je nachdem, wieviel man dazwischen fotografiert) erreicht man bei der Abfahrt die einzelnen Zwischenziele: GamskarkogelTofernscharteTofernalmHabachalm - – - KapelleHinterfeld.

Die 3 Striche zwischen Habachalm und Kapelle sind durchaus so beabsichtigt. Sie stehen für 3 Stunden Schlaf bei der Alm. Also habe ich meinen gestrigen 2-Stunden-Schläfchen-Rekord heute locker übertroffen. Aber wie würde man auch sonst anständige Wanderzeiten zusammenbringen ;-)

Beim Dösen rufe ich die herrlichen Ausblicke wieder in Erinnerung: Sonnblick, Hocharn, Ritterkopf, Großglockner, Wiesbachhorn und etliche weniger namhafte Gipfel in deren Schatten

Beim Dösen rufe ich die herrlichen Ausblicke wieder in Erinnerung: Sonnblick, Hocharn, Ritterkopf, Großglockner, Wiesbachhorn und etliche weniger namhafte Gipfel in deren Schatten

Die Abfahrt bis zum Auto war dann eigentlich gar nicht so schlecht, wie man für Nachmittagstemperaturen um die +15°C befürchten könnte. Der “Talritt” am Straßenrand-Schneeriedel war wirklich sehr brauchbar (abgesehen von den eingangs erwähnten Rutenschlägen).

Weitere Informationen zur Tour:

Bundesland: Salzburg
Tourenregion: Großarltal
Wandergemeinde: Hüttschlag
Ausgangspunkt: Parkplatz Hinterfeld
Gebirgsgruppe: Ankogelgruppe

Tourenstatistik im Tourenbuch
Alle Tourenfotos im Tourenalbum

Weitere Schnee-Touren im Großarltal:

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Schitour Schafdach – Kammkarlspitz

Freitag, 9. April 2010

Nachdem wir uns am vergangenen Sonntag bei der Wandertour über die Hansenalm zur Erzherzog-Johann-Hütte die Schneeverhältnisse im nördlichen Umfeld des Sölkpasses angesehen und diese für gut befunden hatten, war es heute an der Zeit für eine der zum Wintersaison-Ausklang obligatorischen Schitouren im hintersten Winkl des Großsölktales.

In der Morgendämmerung fahre ich aus dem leicht nebeligen Ennstal südwärts nach St. Nikolai im Sölktal und noch ein kleines Stück weiter bis zum aperen Ende der Sölkpaßstraße bei der Mautneralm.

Sofort war klar, dass der Niederschlag am Ostermontag für frischen Schneenachschub gesorgt hatte. Ob das nun gut oder schlecht war, konnte am frühen Morgen noch nicht eindeutig gesagt werden. Ich folgte einer einsamen Schispur, die sich etwa 2 Zentimeter in den Neuschnee drückte.

Am Morgen war die Schneedecke nach einer sternenklaren Nacht und bei Starttemperaturen von -3°C noch gut gefroren, so dass ich kaum Spuren im Schnee hinterließ.

Trockene, kalte Luft nach leicht frostiger Nacht läßt die frisch eingeschneiten Gipfel herrlich erstrahlen

Trockene, kalte Luft nach leicht frostiger Nacht läßt die frisch eingeschneiten Gipfel herrlich erstrahlen

Eigentlich hatte ich mir heute gar kein bestimmtes Tourenziel auserkoren. Ich wollte mich kurzfristig vor Ort entscheiden und im Prinzip könnte es jeder der umliegenden Gipfel im Umfeld des Sölkpasses werden. Tischfeldspitze, Kammkarlspitz, Krautwasch, Hochstubofen, Hornfeldspitze oder Deneck. Der Zufall sollte entscheiden. Und dieser Zufall war eben die einsame Schispur.

Und die zog von der Erzherzog-Johann-Hütte zunächst kurz Richtung Winkleralm und dann in einer weiten, nach rechts ausholenden Schleife auf das steile Schafdach. Für den Anstieg am gefrorenen Harschdeckel waren die Harscheisen sehr nützlich.

Ausblick vom Schafdach

Ausblick vom Schafdach

Zu meiner Freude gab es im Gegensatz zu meinem ersten Besuch (Schneeschuhtour auf das Schafdach am 07.05.2005) heute auch ein Gipfelbuch. Wobei “Buch” fast etwas zu hochgestochen klingt. Eigentlich ist es nur ein Schulheft. Ich könnte jetzt im Nachhinein gar nicht mehr sagen, ob ein liniertes oder “glattes”. Kariert war es, so glaube ich mich erinnern zu können, aber nicht. Sei´s wie´s sei – den Bergsteiger freut es ;-)

Weniger erfreulich war der kalte Wind am mittleren Vormittag. Umso erfreulicher aber der traumhafte Fernblick.

Der markante Hochstubofen wird über den Grat auf der rechten Seite erstiegen

Der markante Hochstubofen wird über den Grat auf der rechten Seite erstiegen

Die Abfahrt auf den sehr steilen Westhängen war durchrüttelt. Meist war die Schneedecke hartgefroren, stellenweise gab es aber auch windgepresste, weichere Einlagerungen, die einen weniger guten Schifahrer schon etwas zu fordern vermochten.

Nach etwa 500 Höhenmeter Abfahrt lege ich die Felle noch einmal zum neuerlichen Aufstieg an. Dieses Mal wollte ich meinen Lieblingsberg im östlichen Gipfelkranz über der Sölkpaßstraße ansteuern. Den Kammkarlspitz. Hatte ich noch kurz zuvor am Schafdach ziemlich gefroren, heizte mir jetzt die Mittagssonne kräftig ein. Auch spürte ich wohl auch schon die bisher zurückgelegten Höhenmeter. Am Ende des Tages sollte der Höhenmesser insgesamt 1.600 Aufstiegshöhenmeter anzeigen.

Wegen der nur mehr geringen Schneemenge und der noch stabilen Schneedecke konnte ich den Kammkarlspitz heute viel direkter angehen, als bei meinen bisherigen Besuchen, wo ich jeweils weiter nach rechts ausgeholt habe. Der “elastische” Bruchharsch beim Aufstieg sollte sich bis zur Abfahrt in schmierigen Firn umgewandelt haben.

Am Gipfel angekommen, vermisste ich zunächst das Gipfelkreuz. Dieses fand ich liegend unter dem Schnee vor. Ich habe es zwar kurz aufgerichtet, aber der nicht sonderlich stabil erscheinende Zustand ließ es mich wieder niederlegen, damit es nicht von kräftigen Windstößen über die östlichen Steilwände hinab geweht werden konnte. In der Gipfelbuchkassette fand sich leider kein Schreibzeug vor, und so sehr ich den Gipfel schätze, um aber meinen Namen mit Blut zu ritzen, war er mir es dann doch nicht wert. Zumindest nicht mein eigenes und sonst war heute ja niemand mit.

Nach der Abfahrt machte ich bei der Mahdfeldhütte Halt – ebenfalls ein obligatorischer Zwischenstopp bei meinen Frühjahrstouren. Wobei “Zwischenstopp” schon eine mittelgroße Untertreibung darstellt, angesichts eines fast 2-stündigen Schläfchens. Beim Fertigmachen für den Rückmarsch fielen mir in der weichen Wiese einige “Eisenspitzen” ins Auge, die sich bei näherer Betrachtung als eine Handvoll scharfer Patronen erwiesen.

Patronen bei der Mahdfeldhütte verstreut

Patronen bei der Mahdfeldhütte verstreut

Falls wider Erwarten ein Jäger hier mitlesen sollte – ich habe sie fein säuberlich und gut sichtbar auf den Tisch platziert.

Die Abfahrt zur Erherzog-Johann-Hütte (zunächst mußte ich noch einmal 100 Höhenmeter aufsteigen, was ich der Faulheit halber ohne Felle in moderaten Querungen erledigte) gestaltete sich zwiespältig. Rasanter in schattigen Abschnitten und abrupt bremsend, sobald man in die Sonne kam.

Weiter unten auf der Straße war überwiegend Handarbeit angesagt. Schiebenderweise erreichte ich wieder den Ausgangspunkt.

Weitere Informationen zur Tour:

Bundesland: Steiermark
Tourenregion: Großsölktal
Wandergemeinde: St. Nikolai im Sölktal
Ausgangspunkt: Mautneralm
Gebirgsgruppe: Rottenmanner und Wölzer Tauern

Tourenstatistik im Tourenbuch
Alle Tourenfotos im Tourenalbum

Weitere Winter-Touren um den Sölkpaß:

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Schitour Speikberg – Hirschberg

Donnerstag, 25. März 2010

Im 2. Anlauf ist es jetzt also gelungen: Der Gipfelbesuch am Hirschberg im nördlichen Dachsteingebirge.

Nun ist es ja nicht unbedingt so, dass der Hirschberg eine besondere Herausforderung darstellt oder ein Gipfelziel wäre, welches man unbedingt kennen und bestiegen haben müsste. Aber ein bißchen hat es mich schon gewurmt, dass ich den Gipfel bei meinem ersten Vorhaben am 09.07.2009 bei meiner Bergwanderung über die Obertrauner Landfriedalm nicht wie geplant mitmachen konnte.

Damals kam mir erstens der Pfalzkogel und zweitens sehr mühsames und kraftraubendes Latschen- und Dolinengelände dazwischen.

Heute aber sollte alles anders sein. Zum einen würde das zerklüftete Karstgelände auf harter Schneeoberfläche wesentlich einfacher begehbar sein, zum anderen habe ich mir nicht nur eine andere Route, sondern auch einen “unehrlichen” Aufstieg mit Seilbahnunterstützung ausgewählt.

Dabei würde ich sogar noch – quasi im Vorbeigehen – über 2 weitere Gipfel “drübersteigen”, die ich bereits von einer früheren Schitour auf den Speikberg mit meiner AlpenYetin kannte.

Doch schön langsam, der Reihe nach: Am Dienstag war ich noch unschlüssig. Für Mittwoch, Donnerstag und Freitag war Schönwetter mit milden Frühlingstemperaturen angesagt. Allerdings sollte es mit jedem Tag zunehmend “föhnwindiger” werden.

Und auch wenn es dann in den Tälern sehr warm werden kann, ist es im exponierten Berggelände durch den Dauerwind zumeist recht unangenehm kalt. Also war ich zunächst noch nicht richtig motiviert für eine Schi- oder Schneeschuhtour.

Und selbst am Mittwoch morgen, als mich der Wecker zur üblichen Arbeitsaufstehzeit weckte, ließ ich mir noch 10 Minuten mit einer Entscheidung Zeit. Aber beim 1. Blick auf den wolkenlosen Morgenhimmel und beim 2. Blick auf das leichte Minusgrade anzeigende Außenthermometer stand für mich fest: Heute würde es guten Firn geben – heute geht es rauf auf das Dachsteinplateau.

Allerdings nicht von meiner beheimateten Südseite, sondern über die Nordseite – und da gab es ja noch diesen einen Gipfel, der mir beim ersten Anlauf nicht vergönnt war.

Es ist keine Bildungslücke, den Hirschberg nicht zu kennen. Viele Einheimische kennen in diesem Gebiet selbst den Speikberg nicht, am ehesten ist noch der Krippenstein ob seiner leichten Erreichbarkeit mit der Gondel ein Begriff.

Und genau zwischen diesen Dreien wollte ich mich heute schitourentechnisch bewegen, obgleich dieses weitgehend ebene bwz. leicht hügelige Gebiet durchaus auch mit Schneeschuhen seinen Reiz hätte und relativ einfach bewältigbar wäre (sieht man von den nicht zu unterschätzenden Entfernungen ab).

Anfahrt in der Früh zunächst Richtung Osten auf der Ennstal Straße B320 bis Trautenfels. Die Sonne blendet durch die sich trotz Kratzen nur schleppend vom morgendlichen Eis befreienden Autoscheibe. Ab Trautenfels geht es dann besser. Nordwestwärts, zunächst östlich, später nördlich um den dominanten Grimming herum, bis Bad Aussee. Dann ist es über den Koppen Paß fast nur noch ein Katzensprung (naja, muß schon eine große sein) bis Obertraun, so die Paßstraße nicht wegen Lawinengefahr oder Bauarbeiten gesperrt ist, wie es bei der Anreise zu meiner Bergtour auf den Pfalzkogel der Fall war.

Obwohl fast 50 Minuten vor dem Start der ersten Gondel beim großen Parkplatz der Krippenstein-Seilbahn angekommen, war ich beileibe nicht der Erste. Überall kleinere und größere Grüppchen ihre Tourenschiausrüstung aus den Autos kramende, meist braungebrannte Freizeitsportler.

Die vor mir an der Kassa Wartenden kaufen alle die Rumplerkarte um 14,90 Euro, welche auch die Auffahrt mit den 2 Liften am Hunerkogel beinhaltet. Erst als ich mich nach einer alternativen Möglichkeit – beschränkt auf Strecke 1 und 2 auf den Krippenstein – erkundige und diese für 11,50 Euro bekomme, wollen auch andere noch umsatteln. Dumm gelaufen. Genau so dumm, wie einer unbekannten Schispur nachlaufen, ohne zu wissen, wohin sie führt. Bei einer Schneeschuhspur – wie bei meiner Schneeschuhwanderung um den Sandling – ist das natürlich etwas ganz anderes ;-)

Über die Wartezeit auf die Auffahrt der ersten Gondel möchte ich lieber nicht allzu viele Worte verlieren. Nur soviel: Ich weiß, warum ich bei meinen Wandertouren die Einsamkeit vorziehe. Es ist schon eigenartig, warum sich manche Zeitgenossen vor einem unfreiwilligen Publikum immer wieder richtig peinlich und unmöglich benehmen müssen, wenn sie in in einer Gruppe unterwegs sind. Lautstarkes “Schei…-Brüllen” über den ganzen Vorplatz, Rempeleien vor dem Durchgang zur Gondel, wenn die Anzahl der freien Plätze langsam herunterzählt von 38 auf 37 auf 36 … Und dann nervös draufkommen, dass die Kameraden noch gar nicht da sind und deshalb einmal alle anderen warten lassen ….

Da hilft nur eines: Augen zu und durch und oben am Plateau möglichst schnell hinaus in die Weite des Geländes am “Stoa”.

Bei der 2. Teilstrecke (man muß beim Schönberghaus einmal umsteigen) lautstarke Anzeichen, welches Wetter heute am Dachsteinplateau zu erwarten ist. Heftig zerrt der Wind an der Gondel – und er sollte sich heute den ganzen Tag über nicht legen.

Oben raus in die Sonne zu einem windgeschützten Platzerl. Abfahrtsbereitschaft herstellen. Die Schi- und Snowboardfahrer schwärmen in die verschiedensten Richtungen aus, Hundegebell dringt von der Lodge herüber. Die vor und auf ihren Hütten hockenden Huskies (Abkürzung: HHH) begrüßen – oder zumindest bebellen – die Ankömmlinge.

Die Huskies bei der Lodge am Krippenstein

Die Huskies bei der Lodge am Krippenstein

Die hart gefrorene Schneedecke beschleunigt die Abfahrt Richtung Südosten. Trotz einiger größerer Gegensteigungen verzichte ich vorerst auf die Steigfelle. Dadurch vergrößert sich zwar bei jedem Anstieg der Abstand zu den vor mir Wandernden (eine Dreigruppe nimmt meinen Weg zum Speikberg, sie fahren dann weiter Richtung Osten ab, eine große Gruppe Jugendlicher ist am Weg zum Heilbronner Kreuz), bei jeder Abfahrt aber hole ich dafür nicht nur mächtig auf, sondern irgendwann auch “über”.

Vom Schigebiet am Krippenstein zum Dachsteinplateau "Am Stein"

Vom Schigebiet am Krippenstein zum Dachsteinplateau "Am Stein"

Ab dem Heilbronner Kreuz – errichtet zum Gedenken an eine 13-köpfige Lehrer- und Schülergruppe aus der deutschen Stadt Heilbronn, die zu Ostern 1954 im Schneesturm umkam - dreht  die Gehrichtung nach Nordosten. Allmählich wird es erforderlich, die Felle auf die Schi zu ziehen. Ein kurzer Aufschwung und ich stehe am Niederen Speikberg (2.089).

Beim Heilbronner Kreuz - Wolkenlos, aber windig

Beim Heilbronner Kreuz - Wolkenlos, aber windig

Fast eben und ohne weitere Anstrengung geht es nordwärts auf den teils aperen Speikberg (1.215) mit provisorischem, kleinem Gipfelkreuzchen.

Es folgt eine etwas steilere, aber nicht allzu lange Abfahrt und neuerlich wartet ein Aufstieg – dieses Mal auf den Hirschberg. Ich erspare mir das neuerliche Anlegen der Felle und trage stattdessen die Schi über den hart gefrorenen Schneehang und durch kleinere Latschenfelder auf den abgeblasenen Südrücken. Diesem folge ich nun nach Norden bis zum höchsten Punkt.

Neben dem herrlichen Ausblick auf viele bekannte Gipfel und über freie Almflächen begeistert auch der Blick hinab ins Tal zum Hallstätter See.

Tiefblick zum Hallstätter See

Tiefblick zum Hallstätter See

Jetzt werde ich aber “unersättlich” und fahre bei besten Firnbedingungen bis zum Niederen Hirschberg und noch ein Stückchen weiter bis zu einer Seehöhe von etwa 1.845 Meter hinab, ehe ich mich zum Wiederaufstieg entschließe. Zunächst am Abfahrtsweg wieder zurück, den Speikberg jetzt aber ostseitig umgehend, gelange ich über gemächliche Hänge beim Niederen Speikberg wieder zurück zu meiner vormittäglichen Anstiegsspur. Am bekannten Weg zurück zum Heilbronner Kreuz, in der Folge aber einen Abstecher auf den (das?) Margschierf (2.080) einbauend.

Am Weg zurück in die Zivilisation

Am Weg zurück in die Zivilisation

Mit Annäherung an das Schigebiet am Krippenstein wird es wieder lauter. Eine Gruppe Jugendlicher macht Fotos von ihren kunstvollen und staubenden Schwüngen im Mittagsfirn. Die Huskies bei der Logde begrüßen – oder bebellen – die Ankömmlinge. Also alles wie am Morgen schon gehabt.

Ich gestatte mir nun noch einen Abstecher auf den Gifpel des Krippenstein, mit der lieblichen Kapelle nahe dem höchsten Punkt. Im Windschatten des Gotteshauses genehmige ich mir eine Obstjause, um mich für die Abfahrt auf der Piste ins Tal zu stärken.

Bei der Kapelle am Krippenstein

Bei der Kapelle am Krippenstein

Etliche gelb-schwarze Warntafeln machen auf das Verlassen des gesicherten Schigebietes und der damit verbundenen alpinen Gefahren aufmerksam. Allerdings bin ich mir nie ganz sicher, wo es denn nun wirklich gefährlicher ist.

Wie bereits erwähnt, fahre ich nun über die nur mäßig frequentierte Schipiste bei meist noch erstaunlich guten Schneeverhältnissen zurück zur Talstation in Obertraun.

Nebstbei sei erwähnt, dass ich bei dieser Tour die 1.100-Gipfel-Anzahl seit 01.01.2004 überschritten habe.

Weitere Informationen zu dieser Tour:

Tourenstatistik im Tourenbuch
Alle Tourenfotos im Tourenalbum

Weitere Tourenziele im Umfeld des Krippenstein:

Wer sich näher für die historischen Ereignisse beim “Heilbronner Kreuz” interessiert, dem sei der Roman “Tod am Stein” von Peter Gruber empfohlen, den es z.B. bei Amazon zu bestellen gibt.


 Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Schitour Schneetalalm – Schusterstuhl

Sonntag, 21. März 2010

Nach der gestrigen Schneeschuhwanderung im Salzburger Lungau habe ich mir für den heutigen Samstag, den 20.03.2010 nichts Größeres vorgenommen. Vor allem auch deshalb, da die Wettervorhersagen wieder etwas widersprüchlich waren.

Und tatsächlich war der erste Wettereindruck beim Aufwachen ein getrübter. Also würde ich ruhigen Gewissens einige Tourenaufbereitungen am PC vornehmen können. Auch wenn mein Webspace-Problem noch immer kein gelöstes war. Interessanterweise werden meine Anfragen um Speicherplatzerweiterung von meinem Internet-Hoster jetzt nicht nur schon seit 2 Monaten ignoriert, auch der Versuch, meinen Vertrag – wie vorgeschrieben – per Fax zu kündigen, schlug bei allen Versuchen in der letzten Woche wegen Unerreichbarkeit des Faxgerätes fehl.

Aber das ist wieder eine andere Geschichte ;-)

Lange saß ich jedenfalls nicht vor dem Computer, denn recht rasch lockerten die hochliegenden, dünnen Wolken am Vormittag auf und der zuvor trüb-trostlose Eindruck wich einem freundlich-schönen Frühlingstag, der auch die Singvögel zum Tirilieren animierte und mich in Aufbruchstimmung versetzte.

Wegen der vorgerückten Stunde wollte ich nicht zu weit anreisen, also wählte ich mir ein Tourenziel in meiner näheren Umgebung, bei dem ich auch etwaige Naßschneelawinen nicht zu fürchten bräuchte. Denn im Frühling sollte man Schi- und Schneeschuhtouren tunlichst noch vor Mittag beenden.

Heute entschied ich mich wieder einmal für die Tourenschi, bei dieser Gelegenheit wollte ich auch meine nagelneuen Colltex-Skifelle auf meinen Fischer X-Tralite testen, um bei den kommenden geplanten anspruchsvollen Schitouren in den Hohen Tauern bereits ausführliche Erfahrungen gesammelt zu haben.

Knapp vor dem Schranken ins Sattental, nicht unweit vom Gasthaus Winkler, stellte ich mein Auto ab. Ab dem verschlossenen Schranken weg kann man (noch) mit den Schiern starten.

Bis zur Weggabelung beim Leonhardkreuz war der Forstweg geräumt, die in den Reifenspuren leicht vereiste Straße erlaubte ein zügiges Vorwärtskommen. Der Weiterweg  bis zu den Sattentalalmen wurde zwar ein bißchen mühsamer, Dank einiger älterer Schispuren war der Weg aber selbst um die Mittagszeit bei +5° Celsius noch tragfähig.

Im Talschluß bei den Sattentalalmen

Im Talschluß bei den Sattentalalmen

Mühsamer wurde es dann allerdings  ab der Abzweigung vom Sattentalalm-Parkplatz über den Sattentalbach. Der recht flache Forstweg zieht in langgezogen Schleifen über den Kainachwald bergan.

Bruchharsch erschwerte das Vorwärtskommen. Durchschnittliche Einsinktiefen um die 10 bis 15 Zentimeter trieben mir bei der Spurarbeit im Sonnenschein den Schweiß auf die Stirn, richtig anstrengend wurde es aber im abschnittsweise vorkommenden Faulschnee, in dem ich bis zum Grund durchbrach.

Trotz dieser leichten Widernisse bestätigte sich für mich mein Standpunkt: Schitouren sind kräfte- und konditionsmäßig einfacher als Schneeschuhtouren. Bei der Abfahrts-Technik verhält es sich natürlich genau umgekehrt.

In schattigen Waldpassagen traf ich heute sogar kurzzeitig noch auf Pulverschnee, die Regel war aber – vor allem dann bei der Abfahrt – schwerer, feuchter Schnee.

Einsame Spur auf den freien Wiesen der Schneetalalm

Einsame Spur auf den freien Wiesen der Schneetalalm

Oberhalb der Schneetalalm durfte ich mich sogar am späteren Nachmittag noch über passablen Firn erfreuen. Die obersten 300 Höhenmeter am Nordwestrücken des Schusterstuhl sind allerdings schon gänzlich aper. Das erleichtert aber dafür den Aufstieg zu Fuß, weil man nicht im trügerischen Schnee zwischen Felsblöcken hängen bleibt.

Beim Gipfelkreuz – eigentlich aber schon 400 Höhenmeter früher – war es windig. Mit entsprechender Kleidung, die man selbst bei frühlingshaft milden Schitouren immer als Reserve mithaben sollte, aber kein Problem.

Beim Gipfelkreuz am Schusterstuhl (2.216)

Beim Gipfelkreuz am Schusterstuhl (2.216)

Mein Eintrag im Gipfelbuch war heuer erst der Dritte in diesem Jahr. Lediglich 2 Gruppen Anfang und Ende Februar haben sich 2010 schon verewigt.

Nach den obligatorischen Gipfelfotos ging es am abgeblasenen Rücken über Grasbüschel und Steinblöcke wieder zurück zum Schidepot auf etwa 1.960 Meter Höhe. Danach folgte die eigentlich überraschend passable Abfahrt bis zur Schneetalalm.

Tiefblick über den abgeblasenen Nordwestrücken zur Schneetalalm

Tiefblick über den abgeblasenen Nordwestrücken zur Schneetalalm

Von hier folgte ich wieder meiner Aufstiegsspur ins Sattental, was wegen der nur mäßigen Steigung der Forststraße mit einigem Schiebeaufwand verbunden war.

Über die Sattentalalmstraße hinaus zum Leonhardkreuz brach ich dann auf Grund der alten Spuren nicht mehr durch die Schneedecke, allerdings gestaltete sich das Anschieben hier etwas mühsam. Aussichtlos tief versanken die Tourenstöcke in der tief aufgeweichten Schneedecke.

Vom Leonhardkreuz bergab ging es – von der kurzen Geraden bzw. leichten Gegensteigung abgesehen – dann allerdings wieder sehr gut. Hier überholte ich 3 Schitourengeher, die wohl aus Richtung Schladminger Alm herunter gekommen sein dürften.

Über die vereisten Fahrzeugspuren ratterten die Schi nun rasant talwärts, man durfte nur nicht in die 1 bis 2 Zentimeter hohe Schneeauflage neben der Autospur gelangen, denn dann wurde man abrupt abgebremst.

Blick von der Schneetalalm auf den Schusterstuhl

Blick von der Schneetalalm auf den Schusterstuhl

Weitere Informationen zur Tour:

Tourenstatistik im Tourenbuch
Alle Tourenfotos im Tourenalbum

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian