Archiv für die Kategorie „Wanderberichte“

Schneeschuhtour Neualm – Keinprechthütte

Sonntag, 4. April 2010

Untertitel: Hundewanderung mit eineinhalb Schrecksekunden.

Am heutigen Karfreitag sollte uns die Tour wie schon letzten Sonntag bei der Schneeschuhwanderung auf den Kochofen in die nördlichen Schladminger Tauern führen. Neben der Freude, wieder mit meinen Leihhunden Nico und Sammy (sprich Niko und Sämmi) unterwegs sein zu dürfen, sollte die heutige Schnuppertour vor allem Aufschluß über die aktuellen Schneeverhältnisse liefern, da ich für den Karsamstag eine anspruchsvollere Schitour plante.

Aufbruch in Rohrmoos-Obertal beim Parkplatz Hopfriesen, wo bereits einige Autos abgestellt waren. Die mit ca. 1 cm Neuschnee bedeckte Forststraße Richtung Eschachalm verriet, dass heute schon einige Schitourengeher unterwegs waren. Allerdings mußten sie ihre Schi am Schranken vorbei mindestens eine halbe Stunde lang tragen, ehe die Schneedecke hoch genug wurde.

Wie schon am Kochofen wälzten sich Nico und Sammy auch heute wieder überschwänglich im Pulverschnee, während die Vormittagssonne angenehme Wärme spendete.

Sammy und Nico wälzen sich im Neuschnee

Sammy und Nico wälzen sich im Neuschnee

Bei der Eschachalm überholte uns ein Schitourengeher, der mit seinen Langlaufschi zum Duisitzkarsee aufsteigen wollte. Das am Vormittag noch frisch eingeschneite Almgelände sollte sich am Nachmittag bei der Rückkehr bereits wieder als grüne-braune Wiese zeigen.

Bei der frisch eingeschneiten Eschachalm

Bei der frisch eingeschneiten Eschachalm

Für den Aufstieg zur Keinprechthütte wählten wir die Variante über den Forstweg. Dazu folgten wir zunächst noch ein Stück der Route Richtung Duisitzkarsee ehe wir nach einer 180°-Kehre scharf nach links abzweigten. Die Schitourengeher Richtung Neualm haben sich allesamt für die Route über den Waldsteig entschieden. Weiter oben, bei einer Seehöhe von etwa 1.375 Meter trafen wir dann auf ihre Aufstiegsspuren. Ab hier konnten sie auf der Forststraße endlich ihre Schi anlegen, im Wald war die Schneehöhe definitiv zu gering.

Wegen der weichen Schneedecke – trotz der letzten recht kalten Tage wurde der Schnee nicht mehr richtig hart – legten wir eine eigene Spur parallel zu den Schispuren an, um diese nicht völlig zu zertreten. Diese Schneeverhältnisse luden nicht gerade zu der geplanten Schitour am nächsten Tag ein, zumal es da auch noch wesentlich wärmer werden sollte (ein Irrtum, wie sich bei der Schneeschuhwanderung auf die Matillenalm in den nördlichen Wölzer Tauern heraustellen sollte).

Feucht und patzig präsentierte sich also der Schnee – zumindest bis zur Neualm auf einer Höhe von knapp über 1.600 Meter Höhe. Erst darüber wurden die Verhältnisse besser und oberhalb der Keinprechthütte herrschten trotz oder auch durch die fast 20 Zentimeter Neuschnee prächtige Schiverhältnisse, wie auch die 3 Schitourengeher bestätigten, die gerade von den Vetternspitzen abgefahren waren und bei der Neualam angesichts des ab hier schweren und stumpfen Schnees gerade eifrig am Wachseln waren.

Bereits etwas früher hatten wir 2 junge tschechische Pärchen überholt, die zur Keinprechthütte aufsteigen und im dortigen Winterraum übernachten wollten, nachdem sie für der Ignaz-Mattis-Hütte oberhalb der Giglachseen keinen Schlüssel bekommen hatten.

Noch waren Wetter und Ausblick prächtig

Noch waren Wetter und Ausblick prächtig

Allmählich begann sich der Himmel einzutrüben und das Wetter sollte sich heute leider auch nicht mehr wesentlich bessern. Eine kurze (oder eigentlich gar nicht ganz so kurze) Schrecksekunde gab es oberhalb der Neualm, als Sammy plötzlich verschwunden war. Auf das Pfeifen und Rufen, welches ihn gewönlicherweise sofort zum freudigen Anbrausen veranlaßte, gab es zunächst keine Reaktion, keinen Laut …

Bis plötzlich 4 oder 5 Mal jämmerlich winselndes Bellen zu vernehmen war, welches mir ehrlich gesagt, Angstschauer über den Rücken jagte. Angst um den kleinen Sammy, der in seiner ungestümen Neugier irgendwo in ein Loch oder in einen der Bachläufe gefallen sein könnte.

Ich rief nach Sammy und auch der ansonsten stumme Nico ließ sich zu einem lauten, tiefen Bellen hinreißen. Er schien meine Angst zu bemerken und trabte sofort in Richtung des vorhin zu vernehmenden Heulens von Sammy. Aber alles war nun still. Kein Laut mehr. Wir stiegen auf den steilen Waldhang. Hier gab es etliche Felsblöcke mit tiefen Spalten an ihren Rändern.

Sollte Sammy hier irgendwo hineingefallen sein. So klein er auch sein mag, so ist er doch ein “wilder Hund”, der es liebt, von Hindernissen hinabzuspringen. Hier war aber nichts zu finden. Also noch einmal zum Ausgangspunkt. Welche Spuren aber waren nun von Nico und welche von Sammy. Normalerweise unterscheiden sich die Spuren ganz deutlich. Hier die kleinen Tapser von Sammy und dort die großen Bärentatzen von Nico.

Bei dem feuchten, schweren, patzigen Schnee waren die Unterschiede aber schwer auszumachen. Noch einmal in den Wald hinauf. Rufen, Pfeifen – keine Reaktion. Ich machte mir Vorwürfe, überlegte noch einmal. Wir dürfen nicht zuviele verwirrende Spuren machen. Warum meldet er sich nicht neuerlich durch Bellen. Auch Nico wird sichtlich nervöser. Schnüffelt, sucht, schaut, hört – Nichts.

Wieder hinab zum Bachlauf, wo ich ihn zuletzt gesehen hatte. Hier mußte ich nämlich extra für ihn eine eigene Route suchen, da er sich nicht über den zuvor gewählten Übergang traute.

Hier führten seine Spuren weg. Waren das überhaupt seine? Meine würden es sicher nicht sein. Dann hinauf da unter einem Baum hinein. Bei tiefem Schnee zieht er die aperen Stellen unter den Bäumen vor, um kraftschonender vorwärts zu kommen. drüben führt die Spur wieder raus …..

Und da sehe ich ihn plötzlich: Sammy steht kaum 2 Meter unterhalb des Waldrandes vor dem letzten Baum, den wir gerade untersucht haben und scheint uns interessiert zu beobachten. Auf mein erleichtertes Ausrufen seines Namens kommt er endlich angelaufen – keine Verletzungen – alles bestens. Die Wiedersehensfreude war groß, die Begrüßung innig.

Falls ich bis jetzt ein schmutziges Gesicht gehabt haben sollte – jetzt war ich auf jeden Fall sauber. Normalerweise bin ich auf Sammys und Nicos Liebesbezeugungen mit fest zusammengepressten Lippen vorbereitet. In der Euphorie des Wiedersehens war ich jetzt aber wohl etwas zu unaufmerksam und konnte deshalb einen “Zungenkuss” nicht mehr vermeiden.

Gemeinsam stapften wir jetzt wieder weiter, Sammy sollte heute aber den ganzen weiteren Aufstieg bis auf wenige Ausnahmen immer an meinen Fersen kleben. Ich glaube, auch für ihn war das ein ziemlicher Schreck. Das Gewinsel-Geheule-Gebell führe ich darauf zurück, dass er einfach Angst hatte, weil er uns aus den Augen verloren hat.

Die zweite Schrecksekunde – weil ich es aber vorausgesehen hatte, zähle ich sie nur halb – ergab sich etwas später, als bei einer der wenigen Ausnahmen Sammy wieder einmal vorauslief und dabei einen zugeeisten Bachlauf querte. Während er problemlos über das trügerische Eis tänzelte, brach der mit 35 Kilogramm wesentlich schwerere Nico durch die dünne Schicht ein. Das Wasser war aber nicht allzu tief und Labrador Retriever sind im Grunde ohnehin Wasserratten.

Nico ist gerade im Eis eingebrochen, Sammy möchte ihm helfen

Nico ist gerade im Eis eingebrochen, Sammy möchte ihm helfen

Für Sammy ein passabler Übergang, Nico war aber zu schwer

Für Sammy ein passabler Übergang, Nico war aber zu schwer

Aber diese zwei Erlebnisse führten dazu, dass ich in der Folge sehr folgsame und brave Hunde an meiner Seite hatte ;-)

Leider schloss sich die Wolkendecke nun vollends, die Sicht war dementsprechend nicht die beste, die Aussicht sowie die Alpineindrücke etwas gedämpft. Die Temperaturen waren aber recht angenehm.

Durch das herrliche Tal Richtung Talschluß und nach rechts hinauf zur Keinprechthütte

Durch das herrliche Tal Richtung Talschluß und nach rechts hinauf zur Keinprechthütte

Bei der tief eingeschneiten Keinprechthütte angekommen, gönnten wir uns eine kurze Pause und Jause und betrachteten die Wedelspuren, die über das Steilgelände aus Richtung Vetternspitzen herunter führten. Danach stiegen wir mit einer kleinen Variante wieder ab zur Neualm und am Anstiegsweg mit einigen Waldabkürzungen entlang der Sommermarkierung wieder zurück zur Eschachalm und hinaus zum Ausgangspunkt.

Noch viel Schnee bei der Keinprechthütte

Noch viel Schnee bei der Keinprechthütte

Der Schnee auf den Almwiesen war mittlerweile schon wieder geschmolzen.

Weitere Informationen zu dieser Tour:

Tourenstatistik im Tourenbuch
Alle Tourenfotos im Tourenalbum

Frühere Touren im Umfeld der Keinprechthütte:

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Schneeschuhtour Kochofen

Sonntag, 28. März 2010

Auch heute wieder ein Wochenendtag, wo ich mir wegen der unsicheren Wetterprognose eigentlich keine Tour vorgenommen hatte. Aber bereits vom frühen Morgen an lachten die mit frischem Neuschnee bedeckten Berggipfel vor dem Hintergrund des blauen Himmels über die Nebelschwaden.

Kurzerhand habe ich am Vormittag also noch schnell 2 “Bergkameraden” zusammen gerufen bzw. diese “organisiert”. Dauerläufer Sammy und Kraftpaket Nico würden mich bei der heutigen Schneeschuhwanderung wieder begleiten.

Auffahrt auf der ca. 6 Kilometer langen Bergstraße von Moosheim (Gemeinde Michaelerberg) zum Michaelerberghaus. Der Niederschlag der letzten Nacht, der im Tal als starker Regen zu Boden ging, hat hier am Berg als frischer Neuschschnee seine weißen Spuren hinterlassen.

Ausgangspunkt Michaelerberghaus in 1.203 Meter Höhe

Ausgangspunkt Michaelerberghaus in 1.203 Meter Höhe

Teilweise war es im obersten Abschnitt auf der ungeräumten Fahrbahn gar nicht so einfach, das Auto von seinem “Wunsch nach Schlingern” abzuhalten. Jungfräulich zeigte sich der Weg Richtung Kochofen, aber auch die links und rechts abzweigenden Forstwege waren noch unverspurt – was sich am Nachmittag bei der Rückkehr vor allem Richtung Stiegleralm deutlich geändert haben sollte – jene Alm, die uns von unserer Silvester-Wandertour noch in guter Erinnerung war.

Steil startet der gut beschilderte Ziehweg Richtung Kochofen in den Wald hinauf, für die beiden Hunde aber kein Problem. Im Gegenteil – sie schienen es zu genießen, den hinter ihnen Keuchenden zu ziehen.

Aber nicht nur die Zugarbeit, vor allem der Neuschnee förderte eine Ausgelassenheit hervor, die ich in diesem Ausmaß bei den beiden bisher noch nicht gekannt hatte. Sie brachten den Weg im unteren Abschnitt fast durchwegs sich im Schnee wälzend hinter sich. Man sah es ihnen deutlichst an, wie sie das weiße Element nach einer 14-tägigen Abstinenz unten im aperen Tal genossen.

Über Nacht ist wieder kurzfristig der Winter eingekehrt

Über Nacht ist wieder kurzfristig der Winter eingekehrt

Bei der Weggabelung entschieden wir uns für die Route über das Loskögerl, zunächst noch kurz entlang eines Forstweges und später im mittelsteilen Wald bergan. Vom Pruggerer Galsterberg trieb der schwache Wind immer wieder Lautsprecherwortfetzen herüber – hier dürfte eine Sportveranstaltung in Gang gewesen sein.

Nach einer kurzen Flachpassage (hierher führt auch ein Forstweg) folgt ein weitere Aufschwung bis zu einer Höhe von ca. 1.700 Meter. Auch hier queren wir noch einmal einen Forstweg, den wir später bei der Rückkehr dann für den Abstieg gewählt haben.

Zuletzt folgen noch 200 Höhenmeter über einen schmalen Westrücken. Die ca. 5 cm Neuschnee fallen in dieser Region nicht weiter auf. Trotz Schneeschuhe breche ich bis über die Knie – teilweise auch bis zu den Hüften – in der bis zum Grund durchfeuchteten Schneedecke ein. Den Hunden geht es zwar ob ihres leichteren Gewichtes etwas besser, aber auch sie müssen sich sichtlich durch den schweren, patzigen Schnee plagen.

Und so sind wir alle drei froh, als wir wenige Meter unterhalb des Gipfels das steile Waldgelände verlassen und auf das recht ebene, baumfreie Gipfelplateau des Kochofen mit seinem hohen Gipfelkreuz treten.

Beim Gipfelkreuz am Kochofen

Beim Gipfelkreuz am Kochofen

Im Gegensatz zu den meisten meiner bisherigen Besuche hielt sich der Wind heute sehr in Grenzen. In der zwischenzeitlich durch die Wolkendecke blinzelnden Sonne war es sogar richtig mild. Zeitweise hatte es aber den Eindruck, als würde es gleich zu regnen beginnen.

Dunkle Wolken über dem Grimming

Dunkle Wolken über dem Grimming

Beim Abstieg folgten wir zunächst wieder 200 Höhenmeter unseren Aufstiegsspuren und hielten uns dann an die bereits zuvor erwähnte Forststraße. Auf ihr wechselten wir hinüber zur Markierung der alternativen Kochofen-Anstiegsroute über die Ostseite und folgten dem Wanderweg bis zur Weggabelung “Michaelerberghaus – Kochofen – Stein an der Enns – Kleinsölk”.

Einige “Wumm-Geräusche” mit schlagartig folgenden bis zu 50 Meter langen deutlichen Anrissstellen auf den mäßig steilen Schneehängen warnten vor der nicht zu unterschätzenden Lawinengefahr. Unten im Tal mochte man sich gar nicht richtig vorstellen, dass hier heroben am Berg nach diesem lange Zeit schneearmen Winter für Ende März noch solche großen Schneemassen liegen.

Wumm-Geräusche und lange Anrisse in der Schneedecke

Wumm-Geräusche und lange Anrisse in der Schneedecke

Über Forstwege und diese mehrmals durch den Wald abkürzend, gelangten wir wieder zurück zum jetzt am Nachmittag sehr gut besuchten Michaelerberghaus. Der Schnee des Vormittages mußte sich im Umfeld des Schutzhauses allerdings der kräftigen Frühjahrssonne geschlagen geben.

Weitere Informationen zur Tour:

Tourenstatistik im Tourenbuch
Alle Tourenfotos im Tourenbuch

Der Kochofen, zu meinen 3 meistbesuchten Wandergipfeln zählend, ist sicher nicht das Paradeziel über dem Ennstal, durch seine einfache Erreichbarkeit das ganze Jahr über aber ein lohnenswerter, eher einfacher und durchaus reizvoller Aussichtsberg, mit markierten Anstiegswegen aus verschiedenen Ausgangsorten und Himmelsrichtungen.

Der heutige Routenverlauf: Links bzw. unten die Aufstiegsroute über das Loskögerl, rechts bzw. oben die Abstiegsroute

Der heutige Routenverlauf: Links bzw. unten die Aufstiegsroute über das Loskögerl, rechts bzw. oben die Abstiegsroute

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Weitere Tourentipps im Umfeld des Kochofen:

Konditionsstarke Weitwanderer finden mit dem Übergang über den Lafenberg und den Dromeisspitz bis zum Spateck und eventuell sogar noch weiter bis zum Schusterstuhl oder Säuleck eine ausgewachsene Tagestour vor, bei der sich der Kreis mit der Rückkehr über die Schladminger Alm und Stiegleralm zum Michaelerberghaus wieder schließt.

 

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Schitour Speikberg – Hirschberg

Donnerstag, 25. März 2010

Im 2. Anlauf ist es jetzt also gelungen: Der Gipfelbesuch am Hirschberg im nördlichen Dachsteingebirge.

Nun ist es ja nicht unbedingt so, dass der Hirschberg eine besondere Herausforderung darstellt oder ein Gipfelziel wäre, welches man unbedingt kennen und bestiegen haben müsste. Aber ein bißchen hat es mich schon gewurmt, dass ich den Gipfel bei meinem ersten Vorhaben am 09.07.2009 bei meiner Bergwanderung über die Obertrauner Landfriedalm nicht wie geplant mitmachen konnte.

Damals kam mir erstens der Pfalzkogel und zweitens sehr mühsames und kraftraubendes Latschen- und Dolinengelände dazwischen.

Heute aber sollte alles anders sein. Zum einen würde das zerklüftete Karstgelände auf harter Schneeoberfläche wesentlich einfacher begehbar sein, zum anderen habe ich mir nicht nur eine andere Route, sondern auch einen “unehrlichen” Aufstieg mit Seilbahnunterstützung ausgewählt.

Dabei würde ich sogar noch – quasi im Vorbeigehen – über 2 weitere Gipfel “drübersteigen”, die ich bereits von einer früheren Schitour auf den Speikberg mit meiner AlpenYetin kannte.

Doch schön langsam, der Reihe nach: Am Dienstag war ich noch unschlüssig. Für Mittwoch, Donnerstag und Freitag war Schönwetter mit milden Frühlingstemperaturen angesagt. Allerdings sollte es mit jedem Tag zunehmend “föhnwindiger” werden.

Und auch wenn es dann in den Tälern sehr warm werden kann, ist es im exponierten Berggelände durch den Dauerwind zumeist recht unangenehm kalt. Also war ich zunächst noch nicht richtig motiviert für eine Schi- oder Schneeschuhtour.

Und selbst am Mittwoch morgen, als mich der Wecker zur üblichen Arbeitsaufstehzeit weckte, ließ ich mir noch 10 Minuten mit einer Entscheidung Zeit. Aber beim 1. Blick auf den wolkenlosen Morgenhimmel und beim 2. Blick auf das leichte Minusgrade anzeigende Außenthermometer stand für mich fest: Heute würde es guten Firn geben – heute geht es rauf auf das Dachsteinplateau.

Allerdings nicht von meiner beheimateten Südseite, sondern über die Nordseite – und da gab es ja noch diesen einen Gipfel, der mir beim ersten Anlauf nicht vergönnt war.

Es ist keine Bildungslücke, den Hirschberg nicht zu kennen. Viele Einheimische kennen in diesem Gebiet selbst den Speikberg nicht, am ehesten ist noch der Krippenstein ob seiner leichten Erreichbarkeit mit der Gondel ein Begriff.

Und genau zwischen diesen Dreien wollte ich mich heute schitourentechnisch bewegen, obgleich dieses weitgehend ebene bwz. leicht hügelige Gebiet durchaus auch mit Schneeschuhen seinen Reiz hätte und relativ einfach bewältigbar wäre (sieht man von den nicht zu unterschätzenden Entfernungen ab).

Anfahrt in der Früh zunächst Richtung Osten auf der Ennstal Straße B320 bis Trautenfels. Die Sonne blendet durch die sich trotz Kratzen nur schleppend vom morgendlichen Eis befreienden Autoscheibe. Ab Trautenfels geht es dann besser. Nordwestwärts, zunächst östlich, später nördlich um den dominanten Grimming herum, bis Bad Aussee. Dann ist es über den Koppen Paß fast nur noch ein Katzensprung (naja, muß schon eine große sein) bis Obertraun, so die Paßstraße nicht wegen Lawinengefahr oder Bauarbeiten gesperrt ist, wie es bei der Anreise zu meiner Bergtour auf den Pfalzkogel der Fall war.

Obwohl fast 50 Minuten vor dem Start der ersten Gondel beim großen Parkplatz der Krippenstein-Seilbahn angekommen, war ich beileibe nicht der Erste. Überall kleinere und größere Grüppchen ihre Tourenschiausrüstung aus den Autos kramende, meist braungebrannte Freizeitsportler.

Die vor mir an der Kassa Wartenden kaufen alle die Rumplerkarte um 14,90 Euro, welche auch die Auffahrt mit den 2 Liften am Hunerkogel beinhaltet. Erst als ich mich nach einer alternativen Möglichkeit – beschränkt auf Strecke 1 und 2 auf den Krippenstein – erkundige und diese für 11,50 Euro bekomme, wollen auch andere noch umsatteln. Dumm gelaufen. Genau so dumm, wie einer unbekannten Schispur nachlaufen, ohne zu wissen, wohin sie führt. Bei einer Schneeschuhspur – wie bei meiner Schneeschuhwanderung um den Sandling – ist das natürlich etwas ganz anderes ;-)

Über die Wartezeit auf die Auffahrt der ersten Gondel möchte ich lieber nicht allzu viele Worte verlieren. Nur soviel: Ich weiß, warum ich bei meinen Wandertouren die Einsamkeit vorziehe. Es ist schon eigenartig, warum sich manche Zeitgenossen vor einem unfreiwilligen Publikum immer wieder richtig peinlich und unmöglich benehmen müssen, wenn sie in in einer Gruppe unterwegs sind. Lautstarkes “Schei…-Brüllen” über den ganzen Vorplatz, Rempeleien vor dem Durchgang zur Gondel, wenn die Anzahl der freien Plätze langsam herunterzählt von 38 auf 37 auf 36 … Und dann nervös draufkommen, dass die Kameraden noch gar nicht da sind und deshalb einmal alle anderen warten lassen ….

Da hilft nur eines: Augen zu und durch und oben am Plateau möglichst schnell hinaus in die Weite des Geländes am “Stoa”.

Bei der 2. Teilstrecke (man muß beim Schönberghaus einmal umsteigen) lautstarke Anzeichen, welches Wetter heute am Dachsteinplateau zu erwarten ist. Heftig zerrt der Wind an der Gondel – und er sollte sich heute den ganzen Tag über nicht legen.

Oben raus in die Sonne zu einem windgeschützten Platzerl. Abfahrtsbereitschaft herstellen. Die Schi- und Snowboardfahrer schwärmen in die verschiedensten Richtungen aus, Hundegebell dringt von der Lodge herüber. Die vor und auf ihren Hütten hockenden Huskies (Abkürzung: HHH) begrüßen – oder zumindest bebellen – die Ankömmlinge.

Die Huskies bei der Lodge am Krippenstein

Die Huskies bei der Lodge am Krippenstein

Die hart gefrorene Schneedecke beschleunigt die Abfahrt Richtung Südosten. Trotz einiger größerer Gegensteigungen verzichte ich vorerst auf die Steigfelle. Dadurch vergrößert sich zwar bei jedem Anstieg der Abstand zu den vor mir Wandernden (eine Dreigruppe nimmt meinen Weg zum Speikberg, sie fahren dann weiter Richtung Osten ab, eine große Gruppe Jugendlicher ist am Weg zum Heilbronner Kreuz), bei jeder Abfahrt aber hole ich dafür nicht nur mächtig auf, sondern irgendwann auch “über”.

Vom Schigebiet am Krippenstein zum Dachsteinplateau "Am Stein"

Vom Schigebiet am Krippenstein zum Dachsteinplateau "Am Stein"

Ab dem Heilbronner Kreuz – errichtet zum Gedenken an eine 13-köpfige Lehrer- und Schülergruppe aus der deutschen Stadt Heilbronn, die zu Ostern 1954 im Schneesturm umkam - dreht  die Gehrichtung nach Nordosten. Allmählich wird es erforderlich, die Felle auf die Schi zu ziehen. Ein kurzer Aufschwung und ich stehe am Niederen Speikberg (2.089).

Beim Heilbronner Kreuz - Wolkenlos, aber windig

Beim Heilbronner Kreuz - Wolkenlos, aber windig

Fast eben und ohne weitere Anstrengung geht es nordwärts auf den teils aperen Speikberg (1.215) mit provisorischem, kleinem Gipfelkreuzchen.

Es folgt eine etwas steilere, aber nicht allzu lange Abfahrt und neuerlich wartet ein Aufstieg – dieses Mal auf den Hirschberg. Ich erspare mir das neuerliche Anlegen der Felle und trage stattdessen die Schi über den hart gefrorenen Schneehang und durch kleinere Latschenfelder auf den abgeblasenen Südrücken. Diesem folge ich nun nach Norden bis zum höchsten Punkt.

Neben dem herrlichen Ausblick auf viele bekannte Gipfel und über freie Almflächen begeistert auch der Blick hinab ins Tal zum Hallstätter See.

Tiefblick zum Hallstätter See

Tiefblick zum Hallstätter See

Jetzt werde ich aber “unersättlich” und fahre bei besten Firnbedingungen bis zum Niederen Hirschberg und noch ein Stückchen weiter bis zu einer Seehöhe von etwa 1.845 Meter hinab, ehe ich mich zum Wiederaufstieg entschließe. Zunächst am Abfahrtsweg wieder zurück, den Speikberg jetzt aber ostseitig umgehend, gelange ich über gemächliche Hänge beim Niederen Speikberg wieder zurück zu meiner vormittäglichen Anstiegsspur. Am bekannten Weg zurück zum Heilbronner Kreuz, in der Folge aber einen Abstecher auf den (das?) Margschierf (2.080) einbauend.

Am Weg zurück in die Zivilisation

Am Weg zurück in die Zivilisation

Mit Annäherung an das Schigebiet am Krippenstein wird es wieder lauter. Eine Gruppe Jugendlicher macht Fotos von ihren kunstvollen und staubenden Schwüngen im Mittagsfirn. Die Huskies bei der Logde begrüßen – oder bebellen – die Ankömmlinge. Also alles wie am Morgen schon gehabt.

Ich gestatte mir nun noch einen Abstecher auf den Gifpel des Krippenstein, mit der lieblichen Kapelle nahe dem höchsten Punkt. Im Windschatten des Gotteshauses genehmige ich mir eine Obstjause, um mich für die Abfahrt auf der Piste ins Tal zu stärken.

Bei der Kapelle am Krippenstein

Bei der Kapelle am Krippenstein

Etliche gelb-schwarze Warntafeln machen auf das Verlassen des gesicherten Schigebietes und der damit verbundenen alpinen Gefahren aufmerksam. Allerdings bin ich mir nie ganz sicher, wo es denn nun wirklich gefährlicher ist.

Wie bereits erwähnt, fahre ich nun über die nur mäßig frequentierte Schipiste bei meist noch erstaunlich guten Schneeverhältnissen zurück zur Talstation in Obertraun.

Nebstbei sei erwähnt, dass ich bei dieser Tour die 1.100-Gipfel-Anzahl seit 01.01.2004 überschritten habe.

Weitere Informationen zu dieser Tour:

Tourenstatistik im Tourenbuch
Alle Tourenfotos im Tourenalbum

Weitere Tourenziele im Umfeld des Krippenstein:

Wer sich näher für die historischen Ereignisse beim “Heilbronner Kreuz” interessiert, dem sei der Roman “Tod am Stein” von Peter Gruber empfohlen, den es z.B. bei Amazon zu bestellen gibt.


 Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Schitour Schneetalalm – Schusterstuhl

Sonntag, 21. März 2010

Nach der gestrigen Schneeschuhwanderung im Salzburger Lungau habe ich mir für den heutigen Samstag, den 20.03.2010 nichts Größeres vorgenommen. Vor allem auch deshalb, da die Wettervorhersagen wieder etwas widersprüchlich waren.

Und tatsächlich war der erste Wettereindruck beim Aufwachen ein getrübter. Also würde ich ruhigen Gewissens einige Tourenaufbereitungen am PC vornehmen können. Auch wenn mein Webspace-Problem noch immer kein gelöstes war. Interessanterweise werden meine Anfragen um Speicherplatzerweiterung von meinem Internet-Hoster jetzt nicht nur schon seit 2 Monaten ignoriert, auch der Versuch, meinen Vertrag – wie vorgeschrieben – per Fax zu kündigen, schlug bei allen Versuchen in der letzten Woche wegen Unerreichbarkeit des Faxgerätes fehl.

Aber das ist wieder eine andere Geschichte ;-)

Lange saß ich jedenfalls nicht vor dem Computer, denn recht rasch lockerten die hochliegenden, dünnen Wolken am Vormittag auf und der zuvor trüb-trostlose Eindruck wich einem freundlich-schönen Frühlingstag, der auch die Singvögel zum Tirilieren animierte und mich in Aufbruchstimmung versetzte.

Wegen der vorgerückten Stunde wollte ich nicht zu weit anreisen, also wählte ich mir ein Tourenziel in meiner näheren Umgebung, bei dem ich auch etwaige Naßschneelawinen nicht zu fürchten bräuchte. Denn im Frühling sollte man Schi- und Schneeschuhtouren tunlichst noch vor Mittag beenden.

Heute entschied ich mich wieder einmal für die Tourenschi, bei dieser Gelegenheit wollte ich auch meine nagelneuen Colltex-Skifelle auf meinen Fischer X-Tralite testen, um bei den kommenden geplanten anspruchsvollen Schitouren in den Hohen Tauern bereits ausführliche Erfahrungen gesammelt zu haben.

Knapp vor dem Schranken ins Sattental, nicht unweit vom Gasthaus Winkler, stellte ich mein Auto ab. Ab dem verschlossenen Schranken weg kann man (noch) mit den Schiern starten.

Bis zur Weggabelung beim Leonhardkreuz war der Forstweg geräumt, die in den Reifenspuren leicht vereiste Straße erlaubte ein zügiges Vorwärtskommen. Der Weiterweg  bis zu den Sattentalalmen wurde zwar ein bißchen mühsamer, Dank einiger älterer Schispuren war der Weg aber selbst um die Mittagszeit bei +5° Celsius noch tragfähig.

Im Talschluß bei den Sattentalalmen

Im Talschluß bei den Sattentalalmen

Mühsamer wurde es dann allerdings  ab der Abzweigung vom Sattentalalm-Parkplatz über den Sattentalbach. Der recht flache Forstweg zieht in langgezogen Schleifen über den Kainachwald bergan.

Bruchharsch erschwerte das Vorwärtskommen. Durchschnittliche Einsinktiefen um die 10 bis 15 Zentimeter trieben mir bei der Spurarbeit im Sonnenschein den Schweiß auf die Stirn, richtig anstrengend wurde es aber im abschnittsweise vorkommenden Faulschnee, in dem ich bis zum Grund durchbrach.

Trotz dieser leichten Widernisse bestätigte sich für mich mein Standpunkt: Schitouren sind kräfte- und konditionsmäßig einfacher als Schneeschuhtouren. Bei der Abfahrts-Technik verhält es sich natürlich genau umgekehrt.

In schattigen Waldpassagen traf ich heute sogar kurzzeitig noch auf Pulverschnee, die Regel war aber – vor allem dann bei der Abfahrt – schwerer, feuchter Schnee.

Einsame Spur auf den freien Wiesen der Schneetalalm

Einsame Spur auf den freien Wiesen der Schneetalalm

Oberhalb der Schneetalalm durfte ich mich sogar am späteren Nachmittag noch über passablen Firn erfreuen. Die obersten 300 Höhenmeter am Nordwestrücken des Schusterstuhl sind allerdings schon gänzlich aper. Das erleichtert aber dafür den Aufstieg zu Fuß, weil man nicht im trügerischen Schnee zwischen Felsblöcken hängen bleibt.

Beim Gipfelkreuz – eigentlich aber schon 400 Höhenmeter früher – war es windig. Mit entsprechender Kleidung, die man selbst bei frühlingshaft milden Schitouren immer als Reserve mithaben sollte, aber kein Problem.

Beim Gipfelkreuz am Schusterstuhl (2.216)

Beim Gipfelkreuz am Schusterstuhl (2.216)

Mein Eintrag im Gipfelbuch war heuer erst der Dritte in diesem Jahr. Lediglich 2 Gruppen Anfang und Ende Februar haben sich 2010 schon verewigt.

Nach den obligatorischen Gipfelfotos ging es am abgeblasenen Rücken über Grasbüschel und Steinblöcke wieder zurück zum Schidepot auf etwa 1.960 Meter Höhe. Danach folgte die eigentlich überraschend passable Abfahrt bis zur Schneetalalm.

Tiefblick über den abgeblasenen Nordwestrücken zur Schneetalalm

Tiefblick über den abgeblasenen Nordwestrücken zur Schneetalalm

Von hier folgte ich wieder meiner Aufstiegsspur ins Sattental, was wegen der nur mäßigen Steigung der Forststraße mit einigem Schiebeaufwand verbunden war.

Über die Sattentalalmstraße hinaus zum Leonhardkreuz brach ich dann auf Grund der alten Spuren nicht mehr durch die Schneedecke, allerdings gestaltete sich das Anschieben hier etwas mühsam. Aussichtlos tief versanken die Tourenstöcke in der tief aufgeweichten Schneedecke.

Vom Leonhardkreuz bergab ging es – von der kurzen Geraden bzw. leichten Gegensteigung abgesehen – dann allerdings wieder sehr gut. Hier überholte ich 3 Schitourengeher, die wohl aus Richtung Schladminger Alm herunter gekommen sein dürften.

Über die vereisten Fahrzeugspuren ratterten die Schi nun rasant talwärts, man durfte nur nicht in die 1 bis 2 Zentimeter hohe Schneeauflage neben der Autospur gelangen, denn dann wurde man abrupt abgebremst.

Blick von der Schneetalalm auf den Schusterstuhl

Blick von der Schneetalalm auf den Schusterstuhl

Weitere Informationen zur Tour:

Tourenstatistik im Tourenbuch
Alle Tourenfotos im Tourenalbum

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian