Archiv für die Kategorie „Wanderberichte“

Schitour Finsterkopf – Gamskarkogel

Freitag, 9. April 2010

Nachdem ich gestern einen herrlichen Frühjahrs-Firn-Schitouren-Sonnentag bei der Schitour auf Schafdach und Kammkarlspitz erleben durfte, wollte ich auch den heutigen Tag noch einmal ausnutzen, wurde doch für das kommende Wochenende schon wieder Schlechtwetter angekündigt.

Was nach der gestrigen Traumtour kaum zu glauben war – heute war das Wetter noch einmal eine Spur schöner. Kein Wind und angenehmste “Kurzes-Leibchen-Temperaturen” selbst auf einer Höhe von 2.467 Meter am Gamskarkogel zwischen Großarltal und Gasteiner Tal.

Da es bei der südostseitigen Hangausrichtung erwartungsgemäß ziemlich rasch am Vormittag auffirnen würde, war ein früher – ja ein sehr früher – Start angesagt. Tagwache zu nachtschlafener Zeit knapp nach 03:00 Uhr. Nach knapp gehaltenem Frühstück Anfahrt über die Ennstal Straße B 320 und die Tauernautobahn A 10 sowie über die Pinzgauer Straße B 311 an Bischofshofen vorbei nach St. Johann im Pongau und von hier bergan ins Großarltal.

An den vielen Ortseinfahrten dieses langgezogenen Gebirgsortes vorbei bis knapp vor dem Tunnel in Hüttschlag. Hier führt eine gut beschilderte Bergstraße nach rechts bis zum Parkplatz Hinterfeld bei einem Forststraßenschranken.

Die Gegend machte beim Start mit der Stirnlampe und recht kalt angefühlten -0°C auf der ausgeaperten Forststraße kurz westwärts, bald südwestwärts einen sehr schneekargen Eindruck. Erst am Nachmittag bei der Rückkehr fiel mir auf, dass der einsame Schneeriedel am Straßenrand noch bis wenige Meter vor dem Parkplatz ganz passabel befahrbar war.

Wer allerdings Angst vor Krampus-Ruten hat, sollte diesen Abschnitt bergab lieber gehen. Denn Sträucher und Zweige bekommt man einige um Körper und Gesicht gepeitscht, wenn man nicht vorausschauend genug fährt (denn durch die Schattenlage ging es selbst am Nachmittag noch recht hurtig zur Sache).

Nun aber wieder zurück zum Aufstieg. Lange war die Stirnlampe nicht erforderlich. Die rötliche Morgensonne streichelte bald sanft die schneebedeckten Gipfelkämme. Mein erstes Tourenziel – den Frauenkogel – konnte ich mir allerdings gleich aus dem Kopf schlagen. Denn der halbe Berghang sah schon ziemlich aper aus.

Meine Befürchtung, dass es heute “nur” eine “1-Gipfel-Tour” werden würde, hat sich dann aber oberhalb der Tofernscharte schnell zerstreut.

Doch zunächst hieß es erstmal die Harbachalm anzusteuern. Ab hier wandelt sich die zuvor breite Forststraße in einen schmalen Almweg, der in einigen Serpentinen über einen steilen Waldhang hinaufzieht. Etwa 200 Höhenmeter weiter oben trifft man auf die Almhütte der Tofernalm, und bald danach lasse ich den Schatten hinter mir und trete ein in das spontan wärmende und gleißend blendende Sonnenlicht.

Vom Schatten ins Licht nach der Tofernalm

Vom Schatten ins Licht nach der Tofernalm

Weite sanfte bis steile Firnhänge lockten im Talschluß viele Schitourengeher, wie die überall ins Auge fallenden Wedelspuren bewiesen.  Ich folgte der harten bzw. leicht vereisten Spur Richtung Tofernscharte auf 2.091 Meter Seehöhe.

Und hier die unerwartete, erfreuliche Überraschung. Nur wenige Minuten Aufstieg und ich stand am Gipfel des Finsterkopf. Gleich fuhr ich aber wieder (mit Fellen) in die Scharte zurück um auf der nächsten Hangseite die letzten fast 400 Höhenmeter auf den Gamskarkogel in Angriff zu nehmen. Das herrlich kupierte Gelände mit tragfähigem Harschdeckel versprach großes Abfahrtsvergnügen (das Versprechen wurde auch gehalten). Zur Vereinfachung des Aufstieges habe ich Harscheisen angelegt, unbedingt erforderlich wären sie aber nicht gewesen.

Blick vom Finsterkopf auf die letzten 400 Höhenmeter auf den Gamskarkogel. Rechts der Frauenkogel.

Blick vom Finsterkopf auf die letzten 400 Höhenmeter auf den Gamskarkogel. Rechts der Frauenkogel.

Knapp unterhalb des Gipfels treffe ich auf frische Schispuren, die direkter von der Tofernalm heraufkamen. 2 Schitourengeherinnen stehen bereits oben bei der direkt am Gipfel gelegenen Badgasteiner Hütte.

Bald aber machten Sie sich bereit für die Abfahrt (ich hoffe, nicht wegen mir) und so war ich die restliche Zeit gänzlich alleine am Gipfel des Gamskarkogel.

So verlockend ein Schläfchen jetzt gewesen wäre, so wollte ich aber doch nicht den richtigen Firnzeitpunkt verpassen und startete kurz nach 1/2 11 Uhr wieder entlang meines Aufstiegsweges über die Südostseite, während die beiden Schi-Damen direkt über die Ostseite abgefahren sind.

Unglaubliche stille Einsamkeit bei der Badgasteiner Hütte am Gipfel des Gamskarkogel

Unglaubliche stille Einsamkeit bei der Badgasteiner Hütte am Gipfel des Gamskarkogel

Im 10-Minuten bis Viertelstundentakt (je nachdem, wieviel man dazwischen fotografiert) erreicht man bei der Abfahrt die einzelnen Zwischenziele: GamskarkogelTofernscharteTofernalmHabachalm - – - KapelleHinterfeld.

Die 3 Striche zwischen Habachalm und Kapelle sind durchaus so beabsichtigt. Sie stehen für 3 Stunden Schlaf bei der Alm. Also habe ich meinen gestrigen 2-Stunden-Schläfchen-Rekord heute locker übertroffen. Aber wie würde man auch sonst anständige Wanderzeiten zusammenbringen ;-)

Beim Dösen rufe ich die herrlichen Ausblicke wieder in Erinnerung: Sonnblick, Hocharn, Ritterkopf, Großglockner, Wiesbachhorn und etliche weniger namhafte Gipfel in deren Schatten

Beim Dösen rufe ich die herrlichen Ausblicke wieder in Erinnerung: Sonnblick, Hocharn, Ritterkopf, Großglockner, Wiesbachhorn und etliche weniger namhafte Gipfel in deren Schatten

Die Abfahrt bis zum Auto war dann eigentlich gar nicht so schlecht, wie man für Nachmittagstemperaturen um die +15°C befürchten könnte. Der “Talritt” am Straßenrand-Schneeriedel war wirklich sehr brauchbar (abgesehen von den eingangs erwähnten Rutenschlägen).

Weitere Informationen zur Tour:

Bundesland: Salzburg
Tourenregion: Großarltal
Wandergemeinde: Hüttschlag
Ausgangspunkt: Parkplatz Hinterfeld
Gebirgsgruppe: Ankogelgruppe

Tourenstatistik im Tourenbuch
Alle Tourenfotos im Tourenalbum

Weitere Schnee-Touren im Großarltal:

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Schitour Schafdach – Kammkarlspitz

Freitag, 9. April 2010

Nachdem wir uns am vergangenen Sonntag bei der Wandertour über die Hansenalm zur Erzherzog-Johann-Hütte die Schneeverhältnisse im nördlichen Umfeld des Sölkpasses angesehen und diese für gut befunden hatten, war es heute an der Zeit für eine der zum Wintersaison-Ausklang obligatorischen Schitouren im hintersten Winkl des Großsölktales.

In der Morgendämmerung fahre ich aus dem leicht nebeligen Ennstal südwärts nach St. Nikolai im Sölktal und noch ein kleines Stück weiter bis zum aperen Ende der Sölkpaßstraße bei der Mautneralm.

Sofort war klar, dass der Niederschlag am Ostermontag für frischen Schneenachschub gesorgt hatte. Ob das nun gut oder schlecht war, konnte am frühen Morgen noch nicht eindeutig gesagt werden. Ich folgte einer einsamen Schispur, die sich etwa 2 Zentimeter in den Neuschnee drückte.

Am Morgen war die Schneedecke nach einer sternenklaren Nacht und bei Starttemperaturen von -3°C noch gut gefroren, so dass ich kaum Spuren im Schnee hinterließ.

Trockene, kalte Luft nach leicht frostiger Nacht läßt die frisch eingeschneiten Gipfel herrlich erstrahlen

Trockene, kalte Luft nach leicht frostiger Nacht läßt die frisch eingeschneiten Gipfel herrlich erstrahlen

Eigentlich hatte ich mir heute gar kein bestimmtes Tourenziel auserkoren. Ich wollte mich kurzfristig vor Ort entscheiden und im Prinzip könnte es jeder der umliegenden Gipfel im Umfeld des Sölkpasses werden. Tischfeldspitze, Kammkarlspitz, Krautwasch, Hochstubofen, Hornfeldspitze oder Deneck. Der Zufall sollte entscheiden. Und dieser Zufall war eben die einsame Schispur.

Und die zog von der Erzherzog-Johann-Hütte zunächst kurz Richtung Winkleralm und dann in einer weiten, nach rechts ausholenden Schleife auf das steile Schafdach. Für den Anstieg am gefrorenen Harschdeckel waren die Harscheisen sehr nützlich.

Ausblick vom Schafdach

Ausblick vom Schafdach

Zu meiner Freude gab es im Gegensatz zu meinem ersten Besuch (Schneeschuhtour auf das Schafdach am 07.05.2005) heute auch ein Gipfelbuch. Wobei “Buch” fast etwas zu hochgestochen klingt. Eigentlich ist es nur ein Schulheft. Ich könnte jetzt im Nachhinein gar nicht mehr sagen, ob ein liniertes oder “glattes”. Kariert war es, so glaube ich mich erinnern zu können, aber nicht. Sei´s wie´s sei – den Bergsteiger freut es ;-)

Weniger erfreulich war der kalte Wind am mittleren Vormittag. Umso erfreulicher aber der traumhafte Fernblick.

Der markante Hochstubofen wird über den Grat auf der rechten Seite erstiegen

Der markante Hochstubofen wird über den Grat auf der rechten Seite erstiegen

Die Abfahrt auf den sehr steilen Westhängen war durchrüttelt. Meist war die Schneedecke hartgefroren, stellenweise gab es aber auch windgepresste, weichere Einlagerungen, die einen weniger guten Schifahrer schon etwas zu fordern vermochten.

Nach etwa 500 Höhenmeter Abfahrt lege ich die Felle noch einmal zum neuerlichen Aufstieg an. Dieses Mal wollte ich meinen Lieblingsberg im östlichen Gipfelkranz über der Sölkpaßstraße ansteuern. Den Kammkarlspitz. Hatte ich noch kurz zuvor am Schafdach ziemlich gefroren, heizte mir jetzt die Mittagssonne kräftig ein. Auch spürte ich wohl auch schon die bisher zurückgelegten Höhenmeter. Am Ende des Tages sollte der Höhenmesser insgesamt 1.600 Aufstiegshöhenmeter anzeigen.

Wegen der nur mehr geringen Schneemenge und der noch stabilen Schneedecke konnte ich den Kammkarlspitz heute viel direkter angehen, als bei meinen bisherigen Besuchen, wo ich jeweils weiter nach rechts ausgeholt habe. Der “elastische” Bruchharsch beim Aufstieg sollte sich bis zur Abfahrt in schmierigen Firn umgewandelt haben.

Am Gipfel angekommen, vermisste ich zunächst das Gipfelkreuz. Dieses fand ich liegend unter dem Schnee vor. Ich habe es zwar kurz aufgerichtet, aber der nicht sonderlich stabil erscheinende Zustand ließ es mich wieder niederlegen, damit es nicht von kräftigen Windstößen über die östlichen Steilwände hinab geweht werden konnte. In der Gipfelbuchkassette fand sich leider kein Schreibzeug vor, und so sehr ich den Gipfel schätze, um aber meinen Namen mit Blut zu ritzen, war er mir es dann doch nicht wert. Zumindest nicht mein eigenes und sonst war heute ja niemand mit.

Nach der Abfahrt machte ich bei der Mahdfeldhütte Halt – ebenfalls ein obligatorischer Zwischenstopp bei meinen Frühjahrstouren. Wobei “Zwischenstopp” schon eine mittelgroße Untertreibung darstellt, angesichts eines fast 2-stündigen Schläfchens. Beim Fertigmachen für den Rückmarsch fielen mir in der weichen Wiese einige “Eisenspitzen” ins Auge, die sich bei näherer Betrachtung als eine Handvoll scharfer Patronen erwiesen.

Patronen bei der Mahdfeldhütte verstreut

Patronen bei der Mahdfeldhütte verstreut

Falls wider Erwarten ein Jäger hier mitlesen sollte – ich habe sie fein säuberlich und gut sichtbar auf den Tisch platziert.

Die Abfahrt zur Erherzog-Johann-Hütte (zunächst mußte ich noch einmal 100 Höhenmeter aufsteigen, was ich der Faulheit halber ohne Felle in moderaten Querungen erledigte) gestaltete sich zwiespältig. Rasanter in schattigen Abschnitten und abrupt bremsend, sobald man in die Sonne kam.

Weiter unten auf der Straße war überwiegend Handarbeit angesagt. Schiebenderweise erreichte ich wieder den Ausgangspunkt.

Weitere Informationen zur Tour:

Bundesland: Steiermark
Tourenregion: Großsölktal
Wandergemeinde: St. Nikolai im Sölktal
Ausgangspunkt: Mautneralm
Gebirgsgruppe: Rottenmanner und Wölzer Tauern

Tourenstatistik im Tourenbuch
Alle Tourenfotos im Tourenalbum

Weitere Winter-Touren um den Sölkpaß:

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Wandertour Hansenalm – Erzherzog-Johann-Hütte

Montag, 5. April 2010

Die heutige Wanderung könnte im ersten Wort genauso gut auch Schneeschuhtour oder Schitour lauten. Dass es letztlich “nur” eine Wandertour geworden ist, hängt damit zusammen, dass wir eigentlich nur für eventuelle Schitouren im Umfeld von St. Nikolai im Sölktal schauen wollten, wie weit sich die Schneedecke auf der Sölkpaßstraße bereits zurückgezogen hat.

Bis zur Mautneralm ist die Sölkpaßstraße bereits aper

Bis zur Mautneralm ist die Sölkpaßstraße bereits aper

Auf ebendieser Straße wanderten wir an unserem Hochzeitstag (4.4.) gen Süden an der Hansenalm vorbei bis zur Mautneralm, wo einige Autos von Schitourengehern abgestellt waren. Und ab hier beginnt auch die meist geschlossene Schneedecke – nur von einigen aperen Stellen unterbrochen.

Die Route war durch ein Schidoo präpariert und von etlichen Schispuren sowie einigen Schneeschuh- und Fußspuren gezeichnet.

Herrlicher Talschluß zwischen Schafdach, Hochstuboben und Hornfeldspitze

Herrlicher Talschluß zwischen Schafdach, Hochstuboben und Hornfeldspitze

Eigentlich sollte laut Wetterprognosen der gestrige Tag der wettermäßig schönste Tag des Osterwochenendes werden. Aber heute am Ostersonntag war es um nichts schlechter. Im Gegenteil, die Sicht war sogar klarer als am Vortag.

Zusammengefasst: Alles in allem ein sehr schöner Osterspaziergang. Von St. Nikolai über die Hansenalm bis zur Mautneralm auf trockener Straße, danach auf überwiegend trittfester Schneeunterlage.

Die obligatorische Lawine kurz vor der Erzherzog-Johann-Hütte ist übrigens heuer (noch) nicht abgegangen.

Bei der Erzherzog-Johann-Hütte

Bei der Erzherzog-Johann-Hütte

Erfahrungsgemäß dauert die Schnee-Saison nördlich des Sölkpaßes noch gut und gerne bis Anfang Mai. Für Interessierte nachfolgend einige Tourentipps:

Weitere Informationen zu dieser Wandertour:

Tourenstatistik im Tourenbuch
Alle Tourenfotos im Tourenalbum

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Schneeschuhtour Matillenalm – Hangofenhütte

Montag, 5. April 2010

Die heutige Schneeschuhwanderung am Karsamstag sollte uns zur Matillenalm – auch Mathildenalm genannt – führen. Ursprünglich hatte ich mir für heute ja eine größere Schitour vorgenommen. Die nach den letzten starken Schneefällen wieder etwas angespannte Lawinensituation in den Hohen Tauern ließ mich aber in den Niederen Tauern bleiben.

Und nach den wenig verlockenden Schneeverhältnissen bei der gestrigen Schneeschuhtour zur Keinprechthütte habe ich heute die Schneeschuhe vorgezogen. Dabei habe ich es in dieser schön langsam ausklingenden Winter-Saison 2009/2010 das erste Mal bereut, nicht die Tourenschi gewähl zu haben.

Über die kleine steirische Gemeinde Öblarn fuhren wir südostwärts in den langgezogenen Graben des Walchentales, wo knapp vor dem Gasthof zum Bergkreuz nach rechts eine Forststraße abzweigt (Fahrverbot) und über einige Kehren und an so mancher Abzweigung vorbei, im Wesentlichen aber immer knapp östlich des Matillenbaches bergwärts führt.

Das Tourengebiet südlich von Öblarn

Das Tourengebiet südlich von Öblarn

Der Routenverlauf Matillenalm - Hangofenhütte entgegen dem Uhrzeigersinn

Der Routenverlauf Matillenalm - Hangofenhütte entgegen dem Uhrzeigersinn

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Anfangs noch aper bzw. nur von wenigen Zentimetern Schnee bedeckt, wächst die Schneehöhe am Forstweg bald recht stark an. Weiter oben fressen sich tiefe Traktorfurchen in Alt- und Neuschnee.

Bei einer Höhe von etwa 1.200 Meter Höhe quert der Forstweg den Matillenbach, in etwas “unruhigem” Gelände im Bachbett über Baumstämme turnend steigen wir höher. Hier würde sich eher empfehlen, über den freien Schlag rechts des Bachbettes aufzusteigen und weiter oben wieder auf die andere Bachseite zu queren.

In der Folge wird der Wald zunehmend steil. Oberhalb von etwa 1.300 Meter Seehöhe lassen es mich perfekte Pulverbedinungen auf meist tragfähiger Altschneedecke bereuen, heute nicht doch die geplante Schitour unternommen zu haben.

Nico und Sammy genießen den frischen Pulverschnee

Nico und Sammy genießen den frischen Pulverschnee

Gelegentlich breche ich aber durch die Schneedecke und Nico eilt dann meist fürsorglich zu mir, um Nachschau zu halten, ob es mir gut geht. Ein Verhalten, welches ich auf schon früher einige Male bei ihm beobachten konnte. Im Umfeld einiger älterer, eingeschneiter Schispuren steigen wir – teilweise auch etwas mühsamer – höher, bis wir schließlich einen lichteren und weniger steilen Waldabschnitt erreichen.

Hier verlassen wir die Schiroute und queren nach links – Richtung Westen – weitgehend eben hinüber, bis wir das schöne, freie, idyllische Almgelände der Matillenalm unter uns überblicken. Bei der rustikalen Bank vor einer der Almhütten lasse ich mich nach Jausenstärkung für mich und “meine Mannen” zu einem erholsamen Schläfchen in der herrlichen Mittagssonne nieder.

Tiefblick zur Matillenalm

Tiefblick zur Matillenalm

 

Gelegegentlich werde ich dabei aus dem Dösen gerissen, wenn mir einmal eine große, rauhe Zunge und dann wieder eine kleine, glatte, spitze Zunge im Ohr herumleckt. Gerüchte, wonach ihr mir wieder einmal die Ohren putzen sollte, sind natürlich nur boshafte Unterstellungen ;-)

Wenn sie gerade einmal nicht an mir herumlecken wecken mich die beiden auch mit ihren Streitereien um den einen oder anderen Ast, den es feinsäuberlich zu zerlegen gilt. Natürlich hat es Sammy immer auf den Holzscheit abgesehen, den Nico gerade bearbeitet. Gibt dieser ihn “kampflos” her, verliert der Kleine aber wieder sehr rasch das Interesse.

Holz kann ja soooo verlockend sein

Holz kann ja soooo verlockend sein

Dann hat sich Sammy darauf spezialisiert, mit Zweigen im Maul ganz nah an mir vorbei zu stolzieren und mich dabei mit dem Ast zu berühren. Wenn ich dann danach fasse, läuft er schadenfroh davon um sich kurz darauf wieder anzuschleichen.

Heute habe ich auch eine neue Verhaltensweise bei Nico beobachten können, die mir bei unserer gestrigen Schneeschuhwanderung zur Keinprechthütte zum ersten Mal aufgefallen war, als wir Sammy verloren und wieder gefunden hatten. Nico bestraft oder provoziert Sammy, indem er ihn mehr oder weniger unsanft mit der kräftigen Nase schubst, was das Leichtgewicht schon einmal aus der Spur bringen kann. Sammy reagiert mit dem bekannten Zwicken. Bis jetzt hatte ich immer geglaubt, dass die Ranglereien allein von Sammy ausgingen. Hatte ich mich da getäuscht, oder war das nur das Bestrafungsverhalten, welches  mir seit Nicos und meiner Suche nach dem verschwundenen Sammy auffiel?

Nach mehr als einer Stunde – die Zeit ist wie im Flug vergangen – machen wir uns wieder auf den Weg. Über einen kleinen Lawinenkegel steigen wir auf einem steileren Hang auf den Ansatz des nach West bzw. Südwest ziehenden Rückens Richtung Gumpeneck.

Noch knapp 350 Höhenmeter auf das Gumpeneck

Noch knapp 350 Höhenmeter auf das Gumpeneck

Ihm folgen wir bis auf eine Höhe von ca. 1.870 Meter, wo es in einer größeren Mulde zunächst leicht bergab und drüben wieder mäßig ansteigend bergan geht. Der Himmel hat sich mittlerweile aber verschleiert, und der Wind trug ebenfalls nicht unbedingt dazu bei, sich dem Gipfel des Gumpeneck noch weiter zu nähern. Zumal ich Nico auch am schmäleren Rückenabschnitt nun an die Leine nehmen mußte, weil er sich immer zu weit den senkrecht nach Süden abfallenden Felswänden näherte.

Nico beobachtet fasziniert die Schifahrer, die vom Hangofen bzw. Plöschmitzzinken herunter kamen

Nico beobachtet fasziniert die Schifahrer, die vom Hangofen bzw. Plöschmitzzinken herunter kamen

Die Schifahrer, die drüben in der Ferne gelegentlich vom Plöschmitzzinken herabkamen, hatten es ihm angetan. Das hügelige Kar zu unseren Füßen sollte aber sehr gut mit Schneeschuhen bewältigbar sein. Also kehrten wir wieder um und suchten uns einen halbwegs gemächlichen Abstieg zu dem anfangs noch schmalen Bacheinschnitt, der weiter unten zur Matillenalm hinabfließt.

Schispuren Richtung Plöschmitzzinken. Ganz rechts auf Höhe der Bildmitte jene kleine Hütte, die wir nun ansteuern.

Schispuren Richtung Plöschmitzzinken. Ganz rechts auf Höhe der Bildmitte jene kleine Hütte, die wir nun ansteuern.

Bald aber weitet sich das herrliche Kar und gemütlich wandern wir den zahlreichen Wedelspuren entegen, die aus der Nordseite des Kühofenspitz herabkamen und Richtung Plöschmitzzinken wieder aufstiegen. Diesen Aufstiegsspuren folgten wir ein Stück lang, bis wir zu einer kleinen Hütte (vermutlich eine Jagdhütte) bei einer Höhe von knapp über 1.900 Höhenmeter gelangten.

Im Kar Richtung Kühofenspitze

Im Kar Richtung Kühofenspitze

Hier ist es Nico im Vorauslaufen gelungen, einen Knochen aus dem frei gewehten Hüttenumfeld zu graben und genüßlich zu benagen, solange ich noch nicht bei ihm war. In letzter Zeit schafft er es bei aperen Stellen immer öfter, Knochen oder abgenagte Tierschädel auszubuddeln. Auf mein Schimpfen reagierte er zuerst beleidigt, was sich aber nach einige Leckerlies schnell legte.

Der Wind hier heroben wurde immer kräftiger und unangenehmer und so stiegen wir bald wieder ab. Ein kurzes Stück folgten wir zunächst wieder unserem Aufstiegsweg und dann weiter Richtung Osten wo wir in der Folge  bald auf die Schispuren vom Plöschmitzzinken trafen.

Abstieg zur Hangofenhütte

Abstieg zur Hangofenhütte

Ihnen folgten wir nun – an der Hangofenhütte vorbei – eine Geländestufe tiefer ins Englitztal. Ab hier leitete uns die kurvenreiche Forststraße an den dunklen Höhleneingängen bei der Weißen Wand vorbei hinab ins Walchental, wo wir kurz nach dem Gasthof zum Bergkreuz wieder unseren Ausgangspunkt erreicht haben.

Weitere Informationen zur Tour:

Tourenstatistik im Tourenbuch
Alle Tourenfotos im Tourenalbum

Frühere Touren im Umfeld der Hangofenhütte:

Von einer Schneeschuhtour Richtung Hangofen am 07.02.2004 habe ich leider keine Fotos, dafür umso schönere von der Schitour auf Plöschmitzzinken und Hangofen.

Auch bei einer langen Wandertour mit Gratüberschreitung vom Gumpeneck über die Kühofenspitze zum Hangofen habe ich dieses Gebiet bereits besucht.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian