Schneeschuhtour Neuberg – Gerzkopf

Was gibt es Schöneres, als nach einem wettermäßig weniger gelungenen Wochenende die Arbeitswoche bei Schönwetter mit einem freien Tag zu beginnen.

Und nachdem sie mir am Vortag bei der Schneeschuhtour auf die Hohe Trett soviel Freude bereitet haben, habe ich auch heute wieder meine Hunde-Lieblinge mitgenommen: Das gutmütige Kraftpaket Nico, den Labrador-Retriever, und den kleinen Lauser und Wirbelwind Sammy, einen Border-Collie-Mischling.

Auch heute waren die zwei beim Start in der zur Gemeinde Filzmoos zählenden Ortschaft Neuberg kaum zu bremsen und bändigen. Bewegung, frische Luft, weicher Schnee, geheimnisvolle Gerüche und wunderbare Landschaftsimpressionen – alles Lockmittel von unsagbarem Reiz. Nicht nur für einen Yeti.

Nach einer ca. 1,8 Kilometer langen Straßenwanderung erreichten wir bei einem Gehöft den Beginn einer Forststraße, wo wir der Wanderwegmarkierung Richtung Gerzkopf folgten. Wenig später passierten wir eine Almhütte, bis zu welcher der Forstweg am frühen Nachmittag beim Abstieg geräumt sein sollte.

Morgens aber folgten wir einer leicht eingeschneiten Schispur mit etwa 5 Zentimeter frischer Pulverschneeauflage. Die Schneehöhe nahm im mäßig steilen Wald kontinuierlich zu und Sammy hatte seine sichtliche Schadenfreude daran, beim leichtfüßigen Vorbeispringen an seinem großen Bruder Nico diesem einen Stupser mit der Nasenspitze zu verpassen, wohlwissend dass das “Schwergewicht” ihm wegen des tiefen Einsinkens im Schnee nicht mehr zu folgen vermochte.

Nicht selten erwuchs deshalb aus dem Geplänkel ein halbernstes Geknurre und Gezwicke, welches den beiden Streithansln aber bald vergehen sollte.

Vor einem längeren Flachstück endete nämlich die einige Tage alte Schispur – etwa 300 Höhenmeter unterhalb des Gipfels. Nun lag es an uns Drei, zu spuren, wobei sich aber die Arbeitsteilung allerdings sehr ungleichmäßig und ungerecht gestaltete.

Denn weder Nico und noch viel weniger Sammy, der sonst immer der Erste sein mußte, machten nennenswerte Anstalten, die Spurarbeit länger als zwei durchgehende Meter zu übernehmen. Wohl aber hatten beide sichtlich Spaß daran, mir durch das Hinten-Draufsteigen auf meine Schneeschuhe zu verstehen zu geben, dass sie mit meinem Wandertempo nicht einverstanden waren.

Uneinig, welche der 10 Beine nun spuren sollen

Uneinig, welche der 10 Beine nun spuren sollen

Blieb ich aber stehen, um ihnen die Führungsarbeit zu überlassen, nahmen sie nur gelangweilten Blickes auf Höhe meiner Beine Platz. Nico links oder rechts davon – Sammy meist mittendrin. Manchesmal, wenn ich – vor Erschöpfung schnaubend – etwas abrupter Halt machte, konnte es schon vorkommen, dass sie – etwas unaufmerksam – hinten aufliefen.

Gemeinsam aber schafften wir dann auch die 2 kurzen steileren Geländestufen und erreichten das herrliche, aussichtsreiche Gipfelplateau des Gerzkopf mit Gipfelkreuz und Gipfelglocke und kalten Gipfelwind. Nebelschwaden ließen immer wieder die Sonne verschwinden und Sammy erhob – wie schon am Vortag – sein mitleiderregendes Winseln, nur um kurz darauf Nico wieder zu necken oder bei mir um Streicheleinheiten oder Leckerlis zu betteln, was ich heute auf Grund ihrer Bravheit beiden Hunden in Hülle und Fülle angedeihen ließ.

Zeitweise Nebel und kalter Wind im Gipfelbereich

Zeitweise Nebel und kalter Wind im Gipfelbereich

Und wie von Sammy gewohnt, war beim Bergabgehen wieder jegliches Leiden vergessen und es wurde hin und her gerannt und gespielt und gehüpft und geschnüffelt und geneckt und gestichelt.

Der Frost kann Sammy am Necken nicht hindern

Der Frost kann Sammy am Necken nicht hindern

Spätestens mit Erreichen der nunmehr bis über 1.100 Meter Seehöhe geräumten Forststraße waren beiden Hunde die Strapazen überhaupt nicht mehr anzusehen und ich mußte noch eine “Extrarunde” in den Gsengwinkel einschieben, um ihren neuerwachten Bewegungsdrang zu stillen.

Dabei begann der Lauser Sammy wieder sein vom ihm so heißgeliebtes Spielchen, Zweige in das Maul zu nehmen, um sie wenige Zentimeter vor dem Kopf von Nico vorbei zu führen, um diesen so zum Wettlauf und zum “Duell” um die Holztrophäe zu animieren.

Falls Nico nicht auf seine Herausforderung eingeht, besteht eine beliebte Spielvariante darin, den Zweig vor mir auf den Boden zu legen und mich herausfordern und spitzbübisch anzublicken. Komme ich dann allmählich näher – am liebsten ist es ihm, wenn ich gebückt heranschleiche – packt er den Zweig blitzartig um wieder einige Meter zu entfleuchen und das Spiel von Neuem zu beginnen.

Die Zweige können ihm nicht lange genu sein

Die Zweige können ihm nicht lange genug sein

Manches Mal schießt Sammy aus einer Mischung aus tolldreister Tollkühnheit und junghündischem Größenwahn weit über das Ziel hinaus und versucht “Baumstämme” zu ziehen, bei denen selbst ich wohl meine Mühe hätte. Aber sein Triumph über Hunde-Bruder oder Leihherrchen scheint umso größer zu sein, je überdimensionaler seine Äste werden.

Zurück beim Auto hatte ich zunächst den Eindruck, als ob die Hunde noch immer zuviel Energien haben. Als ich sie dann aber einlud, in den Kofferraum meines Autos zu springen, legten sich beide wie auf Kommando nieder und die Dreiviertelstunde bis beim Ankommen zu Hause habe ich keinen Ton von den beiden gehört.

Ein besonderer Genuß – zumindest für mich – ist dann immer die “Tourennachbereitung”, wenn zu Hause beide Hunde irgendwie fast aufeinander liegend oder ineinander verkeilt und mich teilnehmen lassend beim gemeinsamen Kuscheln ermattet einschlummern.

Weitere Informationen zu dieser Tour:

Tourenstatistik im Tourenbuch
Alle Tourenfotos im Tourenalbum

Hinweis für meine eBook-Leser:

Diese Tour ist auch Bestandteil meines Schneeschuhtourenführers Zentral-ÖsterreichTour 4 aus dem Band Salzburg S: Radstadt-Obertauern. Während ich dort aber die Rundtour über die Gsengplatte beschrieben habe, bin ich heute wieder am Anstiegsweg zurück – sagen wir halt, der Hunde wegen ;-)

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

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1 Kommentar zu „Schneeschuhtour Neuberg – Gerzkopf“

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