Archiv für September 2009

Grenzerfahrungen zwischen Schneibstein, Windschartenkopf, Schlumkopf und Hochseeleinkopf

Sonntag, 20. September 2009

Nach 10-tägiger Wanderabstinenz, die sich bei einem bergsüchtigen AlpenYeti schon einmal durch ein “Zipperlein” bemerkbar machen kann, wollte ich das (Zwischen-)Hoch unbedingt wieder für eine größere Wandertour nutzen.

Eigentlich wäre für heute ein Bergfesterl mit Freunden im Pinzgau auf dem Programm gestanden, nachdem der erste Termin am vorhergehenden Samstag buchstäblich ins Wasser gefallen ist.

Da aber nicht alle Bergkameraden Zeit hatten und auch die Wetterprognose etwas “wischiwaschi” war, sagten wir den Ersatztermin kurzfristig ab. Aber beim Blick auf den nächtlichen Sternenhimmel hielt es mich nicht mehr zu Hause und ich brach früh auf, um eine schon länger geplante Tour in den Berchtesgadener Alpen – genauer im Hagengebirge – zu unternehmen.

Die Lage des Tourengebietes an der Staatsgrenze Österreich-Deutschland

Die Lage des Tourengebietes an der Staatsgrenze Österreich-Deutschland

Vor der Tourenbeschreibung zunächst aber noch ein Aufruf an meine Ex-KollegInnen: Einen Ausweichtermin haben wir noch, danach wird es knapp - dann kommt ihr nicht mehr mit so einem einfachen Gipfel davon ;-) .

Bei der nächtlichen oder – wenn man will – frühmorgendlichen Anfahrt über die Ennstal Straße B320 nach Salzburg durfte ich zu meiner Überraschung feststellen, dass jetzt eine neuerliche Straßenbaustelle zwischen Ruperting und Haus hinzugekommen ist, so dass wir Ennstaler uns jetzt über fast eine durchgängige Staumöglichkeit bis zur Tauernautobahn erfreuen dürfen.

Aber auch auf dieser geht es mit Baustellen weiter – scheinbar das altbekannte und äußerst phantasiereiche Mittel, um die Wirtschaft wieder etwas anzukurbeln.

Bei Golling fahre ich von der Autobahn ab und – fast schon wie üblich – wähle ich zunächst einmal die falsche Richtung. Ich suchte die in der Karte Richtung Bluntautal eingezeichnete Straße und fuhr ein Stück Richtung Paß Luegg. Die Straßenabzweigung führt aber zu einem Werksgelände und ist für den öffentlichen Verkehr nicht zugänglich (zumindest wenn man die Fahrverbotstafel ernst nimmt).

Also wieder zurück in das Ortszentrum von Golling und dort leitet auch eine gute Beschilderung über die Bahngleise und die Salzach in das Bluntautal.

Am letzten Parkplatz vorbei fahre ich noch ca. 2,5 Kilometer weiter bis zum Gasthof Bärenhütte / Bärenhof. Dieser “letzte Parkplatz” muß an Samstagen, Sonntagen und Feiertagen aber dann genutzt werden, wenn man erst nach 10 Uhr anreisen würde, denn in der Zeit zwischen 10 und 17 Uhr ist die Schotterstraße für den Individualverkehr gesperrt. Wieder rausfahren ist allerdings immer erlaubt.

Das Tourengebiet zwischen Bluntautal und Schneibstein

Das Tourengebiet zwischen Bluntautal und Schneibstein

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Eine detaillierte Kartenansicht des Tourengebietes kann ich Euch leider nicht anbieten, da ich diese Region landkartentechnisch nicht lizenziert habe, weil die Gebirgsgruppe der Berchtesgadener Alpen (noch) nicht zu meinem Kerngebiet zählt.

Beim Gasthof Bärenhütte angekommen, “verstaue” ich das Auto in einer der Parknischen zwischen hohen Bäumen.

Mit Stirnlampe folge ich der Forststraße weiter taleinwärts. Da es trotz sternenklarem Himmel stockdunkel ist, entscheide ich mich bei der folgenden Weggabelung etwa 600 Meter weiter für die Route über den Forstweg zu den Jochalmen, da ich mich dabei nicht so sehr auf den Weg konzentrieren muß und zügiger vorankomme.

Der schmale Schotterpfad schlängelt sich gekonnt in unzähligen Serpentinen höher. Im Osten beginnt sich der Horizont langsam zu erhellen und spätestens bei der Unteren Jochalm kann ich auf die Unterstützung der Stirnlampe verzichten.

Ab der Talstation der Materialseilbahn zum Carl-von-Stahl-Haus halte ich mich jetzt an den markierten Wandersteig, der die jetzt noch einmal schmäler werdende Almstraße abkürzt, aber noch einige Male kreuzt.

Spätestens bei der Oberen Jochalm (1.399) geht es dann aber ohnehin nur mehr am Wanderweg weiter. Bei den Almhütten beobachte ich eine Weile eine gar nicht scheue Gams beim Frühstück. Nachdem Sie Notiz von mir genommen hat, äst sie friedlich weiter, nur gelegentlich wirft sie mir einen verstohlenen Blick aus den Augenwinkeln zu.

Auch im weiteren Tourenverlauf werde ich noch auf eine Vielzahl von Gämsen treffen, doch das sollte heute beileibe nicht die einzige animalische Begegnung bleiben.

Im Bereich der Alm habe ich das Gefühl, als würde hinter mir ein Auto nachkommen ???

Und tatsächlich fährt ein kleines Geländeauto an den Hütten der Jochalm vorbei über die von Pferden und Kühen bevölkerten Almweiden höher. Kurz später vernehme ich die aufheulenden Geräusche “bissiger” Motorsägen.

Auf gutem Steig erreiche ich schließlich das bereits vollauf in der Sonne liegende Carl-von-Stahl-Haus, in dessen Umfeld sich bereits erste Wanderer auf den Weg Richtung Süden zum Schneibstein, aber auch Richtung Norden zum Hohen Brett aufmachen.

Drei Mountainbiker starten gerade ihre Abfahrt hinunter über meinen Aufstiegsweg zu den Jochalmen, zwei Personen nutzen die Materialseilbahn für einen kraftsparenderen Abstieg.

Der Wanderweg vom Carl-v.-Stahl-Haus zum Schneibstein und weiter über meine anderen 3 Gipfel bis zum Hochseeleinkopf verläuft immer direkt an der Staatsgrenze zwischen Österreich und Deutschland.

Unterwegs zwischen Österreich

Unterwegs zwischen Österreich ...

und Deutschland

... und Deutschland

Der markierte Steig ist breit und nicht schwierig, die vielen Steine am Weg sind aber recht feucht und rutschig, was das Vorwärtskommen nicht unbedingt vereinfacht.

Vor mir und hinter mir sind auch noch etliche andere Wanderer am Weg zum Gipfel. Die meisten haben im völlig ausgebuchten Stahl-Haus genächtigt.

Bei den 2 Gipfelkreuzen am Schneibstein (2.276) angekommen, entschließe ich mich deshalb, meine Jause erst später am nächsten Gipfel einzunehmen. Platz hätte es am Wiesenplateau zwar genug gegeben, der durchdringende “Zigarettenduft” einiger Gipfelstürmer minderte aber meinen Appetit.

Ob in den Kassetten bei den Kreuzen auch Gipfelbücher enthalten waren, habe ich gar nicht nachgeprüft. Für ausgiebige Fotografiererei nahm ich mir aber dennoch ausreichend Zeit.

Bald aber ging es weiter am markierten Wanderweg der “Kleinen Reibn” bis zur Windscharte (2.103), wo ich den Steig nun aber endgültig verließ.

Denn vom Windschartenkopf (2.211) grüßte ein großes Gipfelkreuz herunter. Und am Gipfel war auch ein Wanderer erkennbar. Die “Gämse” neben ihm schienen sich durch seine Anwesenheit nicht beunruhigen zu lassen. Sie “frassen ihm ja fast aus der Hand”.

Beim Näherkommen stellte sich aber rasch heraus, dass die Vierbeiner am Gipfel keine Gämse sondern Steinböcke waren, umso größer war auch das Glücksgefühl, diese erhabenen Tiere aus nächster Nähe beobachten und fotografieren zu dürfen. Leider zog just in diesem Moment dichtere Bewölkung auf, so dass die Fotos nicht nach meinem Geschmack gerieten.

Fast zeitgleich mit mir kam auch eine ältere Dame am Gipfel an, die ebenso wie ich sehr begeistert von diesem nicht alltäglichen Ambiente wahr.

Der Wanderer, der seinen folgsamen und liebenswürdigen Hund mithatte, wußte interessante Informationen über dieses Steinbock-Rudel zu erzählen. Genau 14 Tiere haben sich hier zwischen Kahlersberg und Windschartenkopf niedergelassen. Elf von ihnen habe ich zeitgleich gesehen, einmal glaubte ich auch ein zwölftes Exemplar zu erkennen, war mir aber nicht vollkommen sicher. Bei zunehmender Bewölkung waren die prächtigen Tiere nicht mehr ganz leicht vom fast farbgleichen Wiesenboden zu unterscheiden.

Einer der großen Steinböcke - so erzählte mir der Hundebesitzer, der auf dem Stahl-Haus übernachtet hat –  hat seinen Hund mit den Hörnern weggestossen. Einen Hund einer Salzburger Jägerin soll er sogar aufgeschlitzt und getötet haben. Dass diese Tiere auch vor Menschen keinerlei Angst haben, konnte ich wenig später selbst feststellen.

Der Wanderer warnte mich auch noch, dass ich mich zurückziehen solle, wenn Sie zu pfeiffen beginnen. Bei Menschen stampfen sie vor dem Angriff auch mit einem Vorderfuß – meist dem rechten – auf. Ob es auch “Linksfüßler” gibt, ist nicht bekannt ;-) .

Gegenüber dem Hund verhalten sie sich wieder anders. Bei ihm schlagen sie zur Warnung die Hörner gegen Steine.

Als die anderen Wanderer und Hund die Gipfelregion wieder verlassen haben, sitze ich noch eine Weile am Gipfel und sehe fasziniert den eindrucksvollen Tieren zu.

Einige ruhen sich aus, andere stärken sich mit sichtlichem Genuß am Almgrase, welches sie mit deutlich vernehmbaren “Quietschen” der Grashalme ausreissen.

Als ich dem größten und wohlgenährtesten Tier zu nahe komme, ist es von dieser Störung sichtlich genervt. Ein lautes an ein Niesen erinnerndes Pfeiffen läßt mich dem nicht zu überhörenden Wunsch des “Riesen” nach einigen Metern mehr Abstand rasch nachkommen.

Erhabene Tiere: Steinbock

Erhabene Tiere: Steinbock

Als ich mich noch einige Male zu weit nähere, genügt aber bereits sein durchdringender Blick, um mir Respekt einzuflössen und die Distanz wieder etwas zu vergrößern.

Lediglich die jüngeren und kleineren Tiere waren etwas scheuer. Als ich mich ihnen nähere, traben sie einige Meter davon.

Mehr als eine Stunde verbringe ich mitten unter den Tieren und fühle mich wie Dian Fossey im Kreise ihrer Berggorilla. Ich wurde eins mit den Tieren und lediglich in der Ausdünstung gab es Unterschiede. Die Steinböcke rochen nicht so streng ;-) .

Schließlich nahm ich aber doch Abschied und machte mich an den Weiterweg, denn von der Windscharte weiter unten war der Rückweg über Hinterschlum ins Bluntautal mit 6 Stunden angegeben. Und ich beabsichtigte aber zuvor noch einige weitere Gipfel zu besuchen.

Über den nahen Schlumkopf (2.204) wanderte ich nunächst noch weiter Richtung Süden auf den Hochseeleinkopf (2.109) – immer entlang der Staatsgrenze und weglos.

Von hier stieg ich nun ostwärts über eine Edelweißwiese zu einer verfallenen Steinhütte auf der Graflschlümlalm ab. Der nächste Tourenabschnitt gestaltete sich nun wieder etwas schwieriger. Zwar nicht wegtechnisch, aber von der Orientierung. Zu verlockend waren einige Latschengassen, aber sie hätten mich womöglich ins “Nirgendwo” geführt.

Also stieg ich zunächst wieder ein Stück bergan, Richtung Schlumkopf, den ich an seiner Ostseite umging. Hier traf ich dann in weiterer Folge auch auf Steinmandln und einen ansatzweise erkennbaren Steig, der mich nach Norden zum markierten Wanderweg brachte, der von der Windscharte nach Hinterschlum führt.

In der Folge blieb ich immer am markierten Weg, was zumindest das Problem der Orientierung wesentlich vereinfachte.

Aber die Route zurück zum Ausgangspunkt ist noch sehr weit und auch die ab hier meist schlammigen Wegpassagen und die glitschigen Felsstellen und Steine machten das Vorwärtskommen nicht unbedingt leichter.

An der verfallenen Hütte der Hinteren Schlumalm vorbei wandert man nahezu immer auf gleicher Höhe durch den schluchtartigen, engen Taleinschnitt – an beiden Seiten von hohen steilen Felswänden umgeben – unter den Augen Dutzender Gämse bis zu einer Weggabelung, die alternative Abstiege ins Tal anbieten.

Ich entscheide mich für den 1 Stunde längeren Weg über den Vorderschlumsee (man gönnt sich ja sonst nichts). Weiter unten treffen aber beide Varianten ohnehin wieder aufeinander. Neben der längeren Wegstrecke ergibt sich der Mehraufwand für meine Route auch durch einen Wiederaufstieg über etwa 100 Höhenmeter nach dem Passieren des Sees.

Das Gebiet um den Vorderschlumsee und auch weiter hinab ins Tal ist geprägt durch steilen bis sehr steilen Wald und überall ist es auffällig feucht und nass. 

Nach dem Wiederzusammentreffen der beiden Wegvarianten helfen Sicherungseinrichtungen über ausgesetzte senkrechte Felswände hinweg.

Während die Holz- und Eisenleitern einen guten Eindruck machen, sind die Drahtseilsicherungen nicht überall vertrauenserweckend. 

Das Hauptproblem des Steiges war für mich aber weniger die Ausgesetztheit als die Glitschigkeit der Felsstufen und teilweise auch der Holzstege. Trotz konzentriertem Auftreten konnte ich einige Male ein Ausrutschen nur durch heftiges “Armrudern” und wohl auch nur mit Schutzengel verhindern.

Was noch erschwerend hinzukommt, sind die nun fast schon 30 Kilometer und mehr als 2.200 Höhenmeter, die man hier schon in den Beinen hat, und so bin ich mehr als froh, als ich endlich wieder – und vor allem noch bei Tageslicht – mein Auto beim Bärenhof erreiche.

Bei der Nachhausefahrt komme ich bei Golling sogar noch in einen kurzen Regenschauer.

Alles in allem wieder eine außergewöhnlich erlebnisreiche Wanderung im Hagengebirge, welches zur Gebirgsgruppe der Berchtesgadener Alpen zählt.

Routenverlauf:

Golling: Bluntautal / Ghf. Bärenhütte – Untere Jochalm – Obere Jochalm – Carl-v.-Stahl-Haus – Schneibstein – Windscharte – Windschartenkopf – Schlumkopf – Hochseeleinkopf – Ht. Schlumalm – Vorderschlumsee – Ghf. Bärenhütte

Vor allem vom Abstieg durch das enge Schlumtal und entlang der Felswände zurück ins Bluntautal war mein GPS-Gerät heute nicht sonderlich begeistert. Sehr oft fiel es zwischendurch aus.

Achja, beinahe hätte ich es vergessen: Ich habe im Titel dieses Beitrages das Wort “Grenzerfahrungen” genannt, aber auch “Grenzgang” oder “Grenzwanderung” wären passend gewesen.

Neben dem herrlichen Steinbock-Erlebnis war die Grenzerfahrung aber vor allem dadurch gegeben, dass ich jetzt weiß, wie es ist, wenn man mit einem Fuß in Österreich und mit dem anderen Fuß in Deutschland geht. Und zwischendrin kitzelt das Niemandsland ;-) .


Weiterführende Links

Bereits absolvierte Touren in der Umgebung in den Berchtesgadener Alpen:

Hoher Göll und Kehlstein – Tourenstatistik
Hoher Göll und Kehlstein – Fotobericht
Tristkopf – Tourenstatistik
Tristkopf – Fotobericht
Rifflkopf und Hochgschirr – Tourenstatistik
Rifflkopf und Hochgschirr – Fotobericht

Im Tennengebirge:

Knallstein und Wieselsteine – Tourenstatistik
Knallstein und Wieselsteine – Fotobericht

Links zu dieser Tour

Statistik im Tourenbuch
Fotobericht im Tourenalbum

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Die neue Form der Wilderei

Donnerstag, 17. September 2009

Er hetzt mit bartstoppeligem und schwarzgefärbtem Gesicht und rasendem Puls durch den Wald. Morsche, unter dem Gewicht seiner fliehenden Schritte zerbrechende Äste knacksen im Unterholz.

Er rennt keuchend einen steilen, unwegsamen Waldhang hinauf. Hinter ihm hört er schon die kläffenden Hunde näher kommen. Ihm ist so, als könne er bereits ihren heißen Atem spüren, der durch die gefletschten Zähne in die kühle Waldluft dringt.

Da – ein Bächlein, eigentlich nur ein besseres Rinnsal, durch die Regenfälle der letzten Tage aber etwas angewachsen. Er folgt dem schmalen Bachlauf über glitschige Steine und auf faulig riechendem, tiefgrünem, vollgesogenem Moos.

Die Hundemeute hinter ihm stockt. Die Spur des Wilderers – seine Spur – verliert sich im feuchten Dunkel des Waldes.

Er klettert noch eine etwa 5 Meter hohe Felswand empor. Das sollte ihm endgültig das Entkommen sichern. Dieses Mal.

Die Verfolger geben auf, können ihm im Dickicht fernab der geländefahrzeugerprobten Forststraßen nun nicht mehr folgen.

Er steigt verschwitzt und auch ein wenig entkräftet auf einem verborgenen, nur ihm und seinen gesinnungsgleichen Kameraden bekannten Steig hinab ins Tal. Die bislang umgehängte Beute versteckt er nun so gut es geht tief unten im Rucksack, obwohl er weiß, dass ihm das im Falle einer Kontrolle nicht helfen würde.

Sollten sie ihn entdecken – sie würden gnadenlos Jagd auf ihn machen und ihm alles wegnehmen.

Bevor er sich seinem Wohnhaus nähert, bringt er deshalb das Ergebnis der verbotenen – heute aber äußerst erfolgreichen – Jagd in ein geheimes Versteck.

Die schwarze Gesichtsfarbe – zur Tarnung angebracht – die seine dunklen Augen noch verwegener funkeln läßt, muß er sich an einem Bachlauf ebenso abwaschen, wie alle sonstigen verräterischen Spuren seines verbotenen Tuns entfernen.

Zu gefährlich sind etwaige Denunzianten im Dorf. Gefährlich auch für die Seinen und wohlgesinnte Mitwisser, seit so rigoros und gnadenlos gegen diese neue Form der Wilderei vorgegangen wird.

Zu Hause – in Sicherheit – erinnert er sich an frühere, an glücklichere Zeiten, als seine Art der Jagd noch anerkannt, beliebt und vor allem legal war.

Heute ist alles anders. In jüngeren Jahren hätte er nie geglaubt, dass auch er einmal von den “guten alten Zeiten” träumen würde. Seine Trophäen darf er nun nicht einmal mehr im Freundeskreis zeigen, geschweige denn sie gar öffentlich zu präsentieren, so wie er es dereinst so gerne tat.

Gewiß, er vermißt diese Zeit. Aber im Grunde ist er ohnehin nur immer für sich selbst auf die Jagd gegangen, nie zum Ruhm oder aus Angeberei, und schon gar nicht des schnöden Mammons wegen.

Vertieft in seine melancholischen Gedanken und zurückgezogen in die Erinnerung freudvollerer und vor allem freierer Tage, nimmt er das drohende und fordernde Klopfen und Hämmern an der Eingangstür nur mehr wie in Trance in weiter Entfernung wahr.

Sie haben ihn gefunden.

Er hat gewußt, dass es einmal so weit kommen wird.

In den Augenwinkeln erkennt er, wie sie polternd die letzten Stufen in den ersten Stock herauf stürmen und sein Refugium besetzen und all seine wertvollen Schätze und Trophäen beschlagnahmen, von den Wänden reissen und aus den Schubladen ziehen.

Sie – die Herren der österreichischen Bundesforste.

Er – der wanderbegeisterte Naturfotograf, dessen einziges Vergehen darin besteht, die Schönheit der Wälder und Berge auf Fotos abbilden zu wollen.

Um aber nicht in Gefahr einer Klage zu geraten, werde ich künftig meine Wanderungen ungefähr so dokumentieren:

Naturbild im neuen Stil

Naturbild im neuen Stil

Dass es für Hubschrauberlandungen und Durchfahrtsgenehmigungen Gebühren gibt, finde ich ja vollkommen in Ordnung. Aber bei den Ausnahmen fehlt mir irgendwie ein Hinweis auf meine Art von Foto und Film.

Nutze ich meine Bildwerke kommerziell, wenn ich Werbung schalte ?

Bei den Ausnahmen bin ich jedenfalls nicht dabei:

Ausnahmen von den Fototarifen

Ausnahmen von den Fototarifen

Der 1. April liegt schon lange zurück, für einen Faschingsscherz ist es noch zu früh.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Forstautal – Laitternsee – Mitterortalm

Freitag, 11. September 2009

Die letzten trockenen Stunden vor dem Aufziehen eines längerfristigen Tiefdruckgebietes wollten wir am Donnerstag, den 10.09.2009, noch schnell für eine kleine Wanderung nutzen.

Da die Wettervorhersage aber bereits für den Nachmittag ziemlich unsicher war, haben uns uns nichts Größeres vorgenommen, sondern wir wollten einfach einen nicht näher dokumentierten See über dem Forstautal erkunden.

Das Tourengebiet im Österreich-Überblick

Das Tourengebiet im Österreich-Überblick

Wir reisten also über die Ennstal Straße B320 an Schladming vorbei nach Pichl-Gleiming und zweigten dort Richtung Forstau ab, wo wir wenig später die Landesgrenze Steiermark-Salzburg überquerten.

Direkt im Ortszentrum zweigt eine schmale Straße an der Kirche vorbei Richtung Süden ab. Im Bereich eines Gasthauses geht die Asphaltstraße schließlich in eine staubige Schotterstraße Richtung Vögeialm und Fallhausalm über.

Das Tourengebiet bei Forstau liegt bereits in Salzburg

Das Tourengebiet bei Forstau liegt bereits in Salzburg

Auf halbem Weg zwischen Unterer Weitgaßalm und Hintereggalm stellen wir unser Auto auf einer kleinen Parkfläche ab, um dem auf einer Brücke über den Forstaubach führenden Almweg zu folgen.

Die Kühe haben sich zur Mittagsstunde gerade in gemütliche Sitz-Liegestellung begeben, als wir an ihnen vorbei spazieren.

Kurz hinter uns kommt ein deutscher Urlauber nach. Ob er wirklich da hinauf wollte oder mangels Wegkenntnisse nur uns gefolgt ist, blieb ein Rätsel.

Zunächst folgen wir einfach den uns am richtigsten erscheinenden Routen in diesem Gewirr und Labyrinth aus teilweise recht breit angelegten Forststraßen.

Die in der Freytag&Berndt-Karte eingezeichnete Wegmarkierung haben wir aber nirgendwo vorfinden können.

Am Ende des von uns verfolgten Forstweges stiegen wir dann weglos im teilweise rechts steilen Wald auf. Der Versuch, den Laitternkogel über dessen Ostsrücken zu ersteigen, erwies sich im dichten Latschengürtel aber als aussichtslos.

Sogar dort, wo in den diversen Karten ein punktiertes Steiglein eingezeichnet ist, hatten wir mitunter schwer mit den stark nadelnden Latschen zu kämpfen.

Schließlich erreichten wir aber – teilweise durch sumpfiges Gelände - den von einem schmalen Grasgürtel umgebenen Laitternsee. Damit lag der schwierigste, mühsamste und unangenehmste Abschnitt unserer Wanderung aber endlich hinter uns, denn der Rückweg über die Laitternhütte (Jagdhütte) auf einem mehr oder weniger deutlich ausgeprägten Steig erwies sich als einfach.

Nach einem kurzen Abstecher zur Mitterortalm stiegen wir über den im obersten Bereich anfänglich noch schmalen und stellenweise steilen Forstweg wieder hinunter ins Forstautal.

Der Routenverlauf im Detail:

Forstautal / Forstauwinkl zwischen Unterer Weitgaßalm und Hintereggalm – Waldalm – Latschengasse Südseite Laitternkogel – Laitternsee – Laitternhütte (Jagdhütte) – Mitterortalm – Am Forstweg zurück

Der Routenverlauf im Detail

Der Routenverlauf im Detail

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Leider ließen die Wetterverhältnisse – meist war es dicht bewölkt – keine besonderen Fotos zu. Interessant waren aber vor allem die 2 Ottern, die unseren Weg kreuzten: Deshalb Kreuzottern.

Während das Exemplar im Bereich der Waldalm am Forstweg noch eine ganz kleine Mini-Schlange war, die sich nur durch die rasche Fortbewegung von einem Regenwurm unterschied, war ihre Verwandte im Bereich des Laitternsees nicht nur wesentlich größer, sondern auch eine Spur aggressiver.

 

"Mini-Kreuzotter"

"Mini-Kreuzotter"

Angriffslustige Schlange beim Laitternsee

Angriffslustige Schlange beim Laitternsee

Weitere Touren-Möglichkeiten und Berg-Ziele in der Umgebung:

Von der Vögeialm führt ein sehr beliebter Aufstieg zum Oberhüttensee. Wer ein Gipfelziel mit einbinden möchte, erreicht von hier über die Akarscharte die Steirische (leicht ausgesetzt) oder die Lungauer (leichter, aber etwas höher) Kalkspitze.

Über den Oberhüttensattel gelangt man in die entgegengesetzte Himmelsrichtung (nach Westen) zur Seekarscharte (2.022) und mit einem Abstieg über die Sonntagskaralm ergibt sich eine sehr schöne Rundtour wieder zurück zur Vögeialm.

Als wegloses, aber nicht allzu schwieriges Gipfelziel würde sich hier die Sonntagkarhöhe (2.245) anbieten. Auf der andereren Seite der Seekarscharte (südlich) könnte man sich am Hundskogel (2.239) sogar über ein Gipfelkreuz freuen.

Vom weiter im Westen parallel zum Forstautal verlaufenden nördlichen Taurachtal kann man den Koners bzw. den Hinteren Geißstein über dem Laitternsee ersteigen.

Tourenlinks:
Oberhüttensee – Steirische Kalkspitze – Sonntagkarhöhe
Lungauer Kalkspitze und Steirische Kalkspitze
Meregg – Steirische Kalkspitze – Lungauer Kalkspitze
Sauschneidalm – Tauernkarsee – Hinterer Geißstein
Koners – Steinkarlalm

Tourenstatistik im Tourenbuch
Tourenfotos im Tourenalbum

Tipp: Wer vor hat, den Laitternsee zu besuchen, sollte dies auf jeden Fall über die Laitternhütte machen, der verwachsene Steig durch den dichten Latschengürtel ist nicht mehr ratsam.

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian

Von Rohrmoos ins Wildkar zum Wildkarsee

Mittwoch, 9. September 2009

Heute hatte ich wieder einmal die große Freude, mit meinem ehemaligen Arbeitskollegen und guten Bergfreund Martin – bekannt aus Film und Fernsehen – die heimatliche Alpinwelt in den Schladminger Tauern näher kennen zu lernen.

Als Tourenziel hatten wir uns eine selten besuchte Gegend ausgesucht, die man vom Rohrmooser Untertal – teilweise etwas mühsam und weglos – erreichen kann.

Martin konnte sich kurzfristig von seiner Arbeit freimachen und so vereinbarten wir einen Treffpunkt kurz nach Mittag um halb Eins.

Bei der Anfahrt habe ich leider nicht bedacht, dass es bei der Aicher Brücke ja eine gröbere Baustelle gibt und so kam ich in den zweifelhaften Genuß, bei der Ampel gleich 3 Rotphasen zu erleben.

Das Tourengebiet über dem steirischen Ennstal im Österreich-Überblick

Das Tourengebiet über dem steirischen Ennstal im Österreich-Überblick

Nach einer äußerst rasanten Rückwärtseinparkaktion, bei der es fast zu einem Bootsunglück im Rohrmooser Obertal gekommen wäre (aber nur fast – natürlich war alles präzise berechnet), wechselten wir zur Verwischung sämtlicher Spuren die Fahrzeuge.

An der neuen Mautstelle Richtung Riesachfall-Parkplatz vorbei gelangten wir zu unserem Ausgangspunkt im Bereich der Sondlalm / Gasthaus Weiße Wand.

Das Tourengebiet im Rohrmooser Untertal

Das Tourengebiet im Rohrmooser Untertal

Hier folgten wir zunächst dem bereits von einigen Schitouren auf Wasserfallspitze und Sonntagskarzinken (bei der 2. Schitour am 18.11.2007 war das Wetter leider nicht sehr fotofreundlich) bekannten Forstweg bergwärts Richtung Süden.

Natürlich entgehen Martin auch heute nicht die in großen Mengen vorhandenen Eierschwammerlansammlungen am Wegesrand – sein ausgeprägtes Pilz- und Schwammerlauge hat er ja bereits bei unserer ersten Gemeinschaftswanderung auf den Krügerzinken eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Bei einer Höhe von etwa 1.400 Meter verließen wir den bekannten Pfad und folgten nun der Forststraße Richtung Osten, bis sich knapp westlich vor dem Wildkarbach ein gutes Steiglein durch üppig mit süßen und schmackhaften Beeren behängte Schwarzbeersträucher nach oben schlängelt.

Zunächst gewinnt man rasch an Höhe, weiter oben wird das Almgelände flacher. Bei einer Höhe von etwa 1.660 Meter überschreitet man im Bereich einer kleinen Steinstaumauer den Wildkarbach. Dann haben wir den Weg verloren und wir mußten uns deshalb über teilweise sehr steile, moosig-feuchte und grasige Waldsteilhänge etwa 100 Höhenmeter bis zu einer kleinen, schmucken Jagdhütte aufwärts kämpfen.

Noch ein kleines Stück weiter westwärts erreicht man auf einer kleinen, leicht sumpfigen Anhöhe die verfallenen Mauerreste der Wildkaralm (Paulas Revier), wo Martin seinen Gesteinsmauernfetisch voll ausleben konnte.

Waren wir bisher noch in halbwegs akzetablen Tempo unterwegs, brachten wir ab jetzt unsere Fotoapparate zum Glühen, und angesichts der vielen äußerst faszinierenden Motive gab es kein Vorwärtskommen mehr – was mir aber ohnehin nur mehr als recht war.

Denn Martin als Extremsportler, der selbst für die “Klafferkessel-Runde” über Gollinghütte-Greifenberg-Preintalerhütte (1.700 Höhenmeter, 22 Kilometer) nur 3,5 Stunden benötigt (wo ich 11 Stunden gebraucht habe) wäre den Weg ohne Fotografieren wohl in einem Bruchteil unserer benötigten Zeit gegangen.

Nach einem kurzen Hügelaufschwung erreichten wir die ersten kleineren “Lacken” und einen etwas größeren See, der vor allem durch sein intensiv grünes Gras ein äußerst lohnenswertes Fotomotiv darstellte.

Seeimpressionen im Wildkar

Seeimpressionen im Wildkar

Wir waren auch noch zur richtigen Zeit an diesem Ort, denn etwas später lag der Kessel bereits im Schatten.

Über eine zunächst unüberwindbar scheinende Felssteilstufe gelangen wir rechts des Wasserfalles auf einem schmalen und leicht ausgesetzten Steiglein schließlich zum obersten und größten See auf ca. 2.160 Meter Höhe. Für unsere ausgiebige Jause steigen wir noch einmal etwas höher auf die “runde” Höhe von 2.200 Meter.

Jausenplatzerl in der Sonne am Fuße der Häuselspitze

Jausenplatzerl in der Sonne am Fuße der Häuselspitze

Ein herrlicher Seekessel, umrahmt von Hinterem Wildkarstein, Wasserfallspitze, Tristhof, Häuselspitze und Gamsspitze, bildete die traumhafte Kulisse für unser sonniges Jausenplatzerl, wo wir uns Wanderstangerl und Gebäck munden ließen – gekrönt von Stiegl Bier aus der Dose.

Derart gestärkt machten wir uns zu fortgeschrittener Stunde auf den Rückweg, den wir eigentlich flinken Fußes zurücklegen wollten.

Aber auch im letzten Tageslicht gab es noch soviel Fotografierenswertes, was unsere Vorsätze, die Fotoapparate eingepackt zu lassen, rasch wieder zunichte machte.

Auch beim Rückweg bereitete uns die Wegsuche im Steilwald, teilweise mit feuchten Felsabbrüchen, kleinere Probleme, aber noch im letzten Licht der Dämmerung erreichten wir die Forststraße.

Beim Abstieg kam uns von hinten ein Geländeauto nach. Ein Jäger, der zunächst ob der nächtlichen Waldbesucher kurz seinen Unmut äußerte, uns dann aber freundlicherweise bis ins Tal zur Sondlalm mitnahm, wo wir in wenigen Minuten wieder unser Auto erreichten.

Rötelstein und Hochsitz im Abendrot

Rötelstein und Hochsitz im Abendrot

Der Routenverlauf im Detail

Der Routenverlauf im Detail

Landkartenausschnitte © BEV 2009, Vervielfältigt mit Genehmigung des BEV © Bundesamtes für Eich- und Vermessungswesen in Wien, T2009/52304

Da ich beim Rückweg übersehen hatte, rechtzeitig die GPS-Batterien zu wechseln, ist der im oberen Abschnitt etwas vom Anstiegsweg abweichende Routenverlauf nicht in der Karte abgebildet.

Weiterführende Links

Tourenstatistik im Tourenbuch
Vollständiger Tourenbericht und alle Fotos im Tourenalbum

Für Martin: Für den, der es mag, ist es eine Delikattesse

Für Martin: Für den, der es mag, ist es eine Delikattesse

Liebe Grüße – Dein / Ihr / Euer Christian